Wieder ein Jahr geschafft. Ein Jahr, für das ich große Hoffnungen hatte. Besonders nach einem eher mäßigen Vorjahr. Um es optimistisch zu formulieren. Aber wie so oft kam alles anders als geplant, und nun sitze ich hier und denke darüber nach, was sich eigentlich getan hat in den vergangenen 365 Tagen und was ich daraus mitnehmen kann ins neue Jahr. Weiß aber nichtmal, wie ich mich dem Ganzen nähern soll. Die Tatsache, dass ich diesen Post bereits seit gestern schreibe und gerade zum achten Mal neu beginne, spricht Bände.
Aber ich glaube, ich möchte mich gern auf die Dinge konzentrieren, die mich retrospektiv freuen. Denn auch, wenn meine manische Phase, die nach 2009 und 2011 in diesem Jahr eigentlich wieder dran gewesen wäre, ausblieb, empfinde ich gerade eine gewisse Grundzufriedenheit, die sich sehr mittig anfühlt. Was vielleicht ein bisschen plemplem klingt für den geneigten Leser, aber die Suche nach meiner Mitte ist eigentlich schon immer das gewesen, was mich angetrieben hat. Und Ende des Jahres sagen zu können, dass ich mich ihr recht nah fühle, ist schön.
Direkt zu Beginn des Jahres wurde ich wieder von jemandem fallen gelassen, den ich sehr gern mochte. Aber ich habe es hingenommen und stattdessen versucht, mich mit Dingen zu beschäftigen, die mir Freude bereiten, habe Zeit mit Menschen verbracht, denen an mir lag und habe schließlich emotionale Verstrickungen gefastet, um erstmal zur Ruhe zu kommen. Was mir zwar gelang, aber es war eine traurige Ruhe. Selten habe ich Alleinsein so einsam empfunden wie auf meiner England-Reise im April.
Nach meinem Wanderurlaub in den Dolomiten lernte ich am 20.07. einen Jungen kennen, der der einzige bleiben sollte, der 2013 neu in mein Leben trat. Und bei dem ich zum ersten Mal seit langem wieder das Bedürfnis hatte, selbst die Initiative zu ergreifen. Was ein schönes Gefühl war, weil ich zwischendurch schon befürchtet hatte, meine Begeisterungsfähigkeit für die Zielgruppe endgültig verloren zu haben. Zwar fand auch diese Geschichte nach 3 Monaten wieder ein Ende, aber ebenfalls zum ersten Mal seit langer Zeit war ich sehr zufrieden, wie ich damit umging. Schon als während der 3 Monate die ersten, tiefen Zweifel kommuniziert wurden, ging ich in den Park und beobachtete die Vögel, statt die Vorhänge zuzuziehen und die "Nicht-Schon-Wieder"-Playlist zu starten. Und als es schließlich vorbei war, war ich froh, wenigstens einen sehr lieben Freund für mein Leben gewonnen zu haben.
Am positivsten überrascht war ich allerdings von dem Abschnitt des Jahres, der traditionell meine Angstzeit ist, in der bestenfalls gar nichts und schlimmstenfalls alles den Bach runter geht: Die Zeit zwischen der Zeitumstellung und der Wintersonnenwende. In diesem Jahr also die Zeit vom 27.10. bis zum 21.12. Der ich schon ängstlich entgegen blickte und für die ich mich bereits mit Taschentüchern bewaffnet hatte, aber als es dann so weit war, passierte nichts. Einfach nichts. Wenn die Sonne 16 Uhr unterging, schaltete ich meine Lichterketten ein und war zufrieden. Einfach so. Keine Ahnung, was da passiert ist, aber diese Erfahrung war zu schön, als dass ich sie groß hinterfragen wöllte. Und wurde schließlich noch gekrönt, als ich zum Geburtstag eine Schöne-Tage-Box geschenkt bekam mit der Erklärung, dass ich "gerade so schön positiv" bin. Was man besonders gern von Menschen hört, die das auch wirklich beurteilen können, weil sie das ganze Jahr um unsere Freundschaft bemüht waren. Unabhängig von meiner Gemütslage.

Und als ich vom 24. bis 28.12. sogar noch einmal die Erfahrung machen durfte, dass ich mich mit einem Jungen gut fühlen kann, ohne wenn, ohne aber und ohne Fragen, einfach bedingungslos glücklich, da war meine Welt heller, als sie es in manchem Sommer war.
Vielleicht ist meine momentane Ausgeglichenheit auch der Grund, warum ich es im Jahr 2014 mal wieder mit echten, guten Vorsätzen versuchen möchte. Und auch, wenn der Vorsatzkatalog im Detail erst noch fertig ausgetüftelt und verschriftlicht werden muss, stehen die Eckpfeiler, die ihn tragen sollen, schon seit mehreren Wochen fest. Weil es keine spontan ausgedachten Ideen sind, sondern Wünsche, die ich schon das ganze Jahr mit mir trage und die ich mir im neuen Jahr gern erfüllen würde: 2014 möchte ich mich nicht mehr für mich schämen müssen, und 2014 möchte ich endlich langfristig denken. Zwar sind das nur zwei Eckpfeiler, aus denen man schlecht ein metaphorisches Haus bauen kann, aber ich habe mich inzwischen mit der Metapher der Wäscheleine der guten Vorsätze zufrieden gegeben. Die gespannt ist vor meinem kleinen Haus aus Schrott.
In diesem Sinne: Gehabt euch wohl, und auf Wiedersehen im Jahr 2014!
*plöpp*



















