Posts mit dem Label Hauptsache weg werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Hauptsache weg werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

03.10.2016

Das kleine Reisetagebuch: Irische Verhältnisse.


So. Wie schon im letzten Post versprochen, gibt es heute auch mal wieder ein paar Urlaubsfotos im Malbuch hier. Denn Urlaub makes the world go 'round, und während andere in unserer schönen Stadt sich gerade im Nieselregen die Beine in den Bauch stehen, um den Tag der Deutschen Einheit mal so richtig zu begehen, genieße ich das Wetter vor meinem Heizlüfter - what better way to schwelgen in memories. In kommenden Posts werde ich wieder stärker versuchen, meine Denglisch-Ausfälle auf ein Mindestmaß zu reduzieren, aber zum aktuellen Beitrag passen sie, denn wir waren auf der immergrünen Insel, auf der man auf der linken Straßenseite fährt aber trotzdem mit Euros bezahlen kann: Irland!

Und damit diesmal auch wieder ein paar mehr Menschen etwas von meinen Eindrücken haben, mache ich jetzt zum Einen auch in Instagram, wo sie sich eine kleine, bemüht künstlerisch wertvolle Auswahl (ca. 50 Bilder) von Urlaubsfotos ansehen können, wenn sie möchten, und zum Anderen habe ich die jahredicke Staubschicht von meinem Flickr-Account geblasen und dort eine größere Auswahl (ca. 300 Bilder) hochgeladen, die bei Flickr aber sehr angenehm präsentiert wird, so dass man sich trotzdem schnell durchgescrollt hat. Schau'n'se da ruhig mal rein ;)

Damit das Malbuch hier jetzt aber nicht viel zu kurz kommt und auch ein bisschen was davon hat, hier meine Top 5+3 unserer Tour von Doolin an der Westküste über Arthurstown an der Ostküste nach Dublin:

1. Cliffs of Moher

(Bild von mir auf Cliffs siehe oben)

Laut Wikipedia die "bekanntesten Steilklippen Irlands", wobei wir in unserem Reiseführer häufiger den Eindruck hatten, dass man mit dem Prädikat "der/ die/ das beste/ schönste/ größte [x] von ganz [y]" ein kleines bümschen inflationär umgeht. Wir waren auch 4 der bestfrisierten Menschen, die mit einem Ford Mondeo Irland erkundeten. Viel Aussagekraft hatte das allerdings in dem Moment nicht ;) Die Klippen waren allerdings wirklich schön, und noch dazu gleich um die Ecke, so dass das ein idealer Einstieg ins irische Naturerlebnis war.

2. Sonnenuntergang am Hook Lighthouse


Unser zweites Quartier befand sich auf der Hook Halbinsel, wo auch einer der schönsten Leuchttürme der irischen Westküste zu finden war - das Hook Lighthouse. Zu dem wir unseren designierten Fahrer nach dem Abendbrot extra nochmal bequatschten, uns doch bitte hinzufahren, in der optimistischen Hoffnung, dass die Wolken nochmal aufreißen und uns einen kleinen Sonnenuntergang präsentieren. Sind sie, und haben sie. Traumhafte Idylle.

3. Kilmokea Country Manor & Gardens


Bei unseren Tagesausflügen kristallisierte sich sehr schnell eine heilige Dreifaltigkeit der irischen Tagesausflüge heraus: Ruine, Walled Garden, Tea Room. Irgendwann haben wir aufgehört, zu zählen. Nicht, dass es nicht jedes Mal anders schön gewesen wäre, aber die Fotos ähneln sich im Endeffekt doch sehr. Auch deswegen fand ich die Gestaltung der Kilmokea Gardens sehr charmant, denn dort haben ein paar Menschen mit viel Herz in die so schon wunderschöne und auch sehr weitläufige Anlage hier und da auch noch kleine Phantasie-Ecken wie zum Beispiel ein Elfendorf oder ein Vikingerschiff gebaut. Was im ersten Moment wahrscheinlich kitschig klingt, und was mich, wenn ich es lesen würde, auch eher abschrecken würde, aber das war so liebevoll und (für mein Empfinden) dezent platziert, und auch das Kilmokea Manor war so alternativ-gemütlich, dass ich, der sonst nie irgendwas bewertet, meine allererste Facebook-Bewertung geschrieben habe. (5 Sterne und dazu eine Zeile, aber hey - man muss die Seite trotzdem erstmal öffnen)

4. Traught Beach


André ist ja nicht glücklich, wenn er nicht wenigstens einmal irgendwo baden gehen durfte. Also fuhren wir nach einer unserer ausgedehnten Wanderungen abends noch zum Traught Beach und meine verständnisvollen Mitreisenden beobachteten geduldig Wolken und Wellen, während ich mich in die nordatlantischen Fluten schmiss. Und ich kann ihnen sagen: Es war nass. #Reborn

5. Kilmacduagh Monastery


Eine unserer vielen Ruinen, aber wunderschön, und besonders nett, weil kostenfrei zu bewundern und nur im Vorbeifahren entdeckt. Und ich sehe gerade bei Wikipedia: "Der (schiefe) Rundturm gehört zu den bestbewahrten in Irland." Da haben sie's! Einer der bestbewahrten schiefen Rundtürme Irlands. Wenn das allein nicht schon als Grund genügt, da auch mal hin zu fahren, weiß ich's nicht.

Bonus 1: Always in Good Company


Ich habe ja nicht immer jemanden, der mit mir verreist, verreise aber leider viel zu gerne, als dass ich nicht auch manchmal alleine fort müsste. Und die Länder, die ich sehe, sind auch trotzdem schön. Aber besonders in den letzten 4 Jahren fällt es mir streckenweise immer schwerer, Urlaub allein zu genießen, und mit meinem Studien-bedingt begrenzten Budget ist der auch schwerer zu bezahlen. Entsprechend gefreut habe ich mich, dass diese 3 lustigen Gesellen mich in die Reisegruppe Duss'lich aufnahmen und wir Irland gemeinsam erleben konnten. Und selbst in Momenten, in denen die Nerven nicht mehr ganz so mitspielten, dachte ich danach trotzdem: Herrlich. Sowas haste zu Hause auch nicht.

Bonus 2: #WitheredBeauty


Ich mochte ja Kaputtes, Verwelktes und vermeintlich nicht Vollwertiges schon immer gern. Als Kind habe ich jedes Plüschtier, das ich im Dreck gefunden habe, aufgehoben und mitgenommen, und wer die Geschichte noch nicht kennt: Meine letzten zwei Wellensittiche habe ich beide gekauft, weil sie zum Zeitpunkt unseres Kennenlernens die einzigen in der Voliere ohne prächtige Schwanzfeder waren. Und auch diesmal fand ich in all den walled gardens besonders die Pflanzen reizvoll, die schon so'n bisschen drüber waren. Ich glaube, dafür möchte ich meinen Blick in Zukunft noch weiter schärfen.

Bonus 3: Er.


Wir hätten ja auch gern lokal eingekauft, aber dafür war einfach unser Hunger zu groß und die Auswahl in den kleinen, lokalen Märkten zu klein, so dass wir über unser aller Schatten sprangen und einfach bei LIDL einkauften. Wo ER lebte. Scheu, hinter einer Kasse, neugierige Augen, aber die Lebensmittel über den Scanner schiebend, wie ein Großer... Ich weiß auch nicht. Mir hat da irgendwie keiner zugestimmt, aber ich fand den umwerfend. Und warte nach wie vor darauf, dass er in einem meiner Träume auftaucht. Vielleicht hätte ich meinen Wunsch am Wunschbrunnen lieber dafür nutzen sollen.

So war das also, damals, im Urlaub.
Wenn sie mehr wissen möchten, müssen sie wohl oder übel einen Kaffee mit mir trinken gehen. Obwohl... Machen wir uns nichts vor. Ein Bier.

In diesem Sinne!
*plöpp*

05.11.2015

Das kleine Reisetagebuch: Verliebt in einen Berber.


Ja, es ist ein Kreuz mit den Männern. Da reist man extra einen Kontinent weiter, um Abstand zu gewinnen zu all den Irrungen und Wirrungen, die daheim den Geist vernebeln und einen gar nicht dazu kommen lassen, darüber nachzudenken, was wirklich wichtig ist im Leben, und dann steht er da - etwas kleiner als ich, tief braune Augen, und auch noch eine kleine Narbe auf der Wange, und es war um mich geschehen.


Aber von vorn: Zuletzt war ich ja eingekehrt in einer noblen Herberge im Hohen Atlasgebirge. Doch bereits bis da hin war es ein steiniger Weg, denn nachdem ich mich schweren Herzens von meiner Wüsten-Gruppe verabschieden musste, standen wir da, Abdullah, der Trekking-Koch und ich, am Rande einer Straße, an der ab und zu ein Taxi vorbei kommen sollte. Gerüchteweise. Eine dreiviertel Stunde lang war das allerdings nicht der Fall, so dass ich Gelegenheit hatte, das Treiben auf dem Platz des Dorfes zu beobachten - ein sehr entschleunigendes Erlebnis, das mich auch wieder zweifeln ließ, warum sich eigentlich bei uns keine Kinder mehr auf der Straße treffen, wo doch jeder jammert, wie schade es ist, dass sich keine Kinder mehr auf der Straße treffen. Aber dann kam doch das Taxi, und nachdem mir bereits zum ersten Mal ein bisschen Angst und Bange war, weil mein Rucksack nur auf's Dach geschnallt wurde, war ich endgültig ehrfürchtig, als wir irgendwann zu sechst in unserem Taxi saßen - hinten Abdullah, ich und ein fröhlicher Marokkaner, auf dem Beifahrersitz 2 fröhliche Marokkaner, und am Steuer der singende Fahrer. Zwar stand die Abendsonne herrlich tief und unser Weg führte vorbei an Dörfern, die aussahen, als wären sie aus dem Berg gehauen worden, aber ich wagte es nicht, auch nur ein einziges Foto zu machen. Nur, um es nach meiner Ankunft in der Edelabsteige wieder nicht zu wagen, Fotos zu machen, diesmal allerdings aus Ehrfurcht vor den noblen Herrschaften, die im feinen Zwirn durch die Hallen flanierten, auf der Terasse ein Tässchen Tee mit abgespreiztem Finger nahmen und mich relativ skeptisch beäugten, als ich zum erstklassigen Gourmet-Dinner in Jeans und Pullover erschien - das chicste, was ich noch aus meinem Rucksack zerren konnte. So unmittelbar und frontal bekommt man die soziale Schere selten mal um die Ohren gehauen, aber auch das war wieder eine Erfahrung, die ich im Nachhinein nicht missen möchte - nur ein bisschen weniger Ehrfurcht, das habe ich mir vorgenommen für zu Hause.


Und nachdem ich am nächsten Tag noch eine kleine Runde durch den Ort gedreht und anschließend das WLAN noch mal so richtig gemolken hatte, stand er da, 12:35 Ortszeit, strahlte mich an und sagte "Hallo, mein Name ist Hassan, ich bin ihr Guide." ... Ja... emm... ich höre das jetzt in seinem Akzent und schmelze dahin, der geneigte Leser kann diesem Satz wahrscheinlich eher wenig abgewinnen. Aber glauben sie mir, es war wunderschön. Hassan hatte am Morgen die vier Mitglieder meiner neuen Wandergruppe in Marrakesch abgeholt, in Aïd Ben Haddou wurden Abdullah, der Trekking-Koch und ich noch eingesackt und mit dem Minibus ging es anschließend weiter nach Aïd Youl, wo wir am Abend in einem Gästehaus ankamen, das mich fast mehr überforderte, als mein kleines Einmann-Zelt in der Wüste. Denn in meinem Zimmer hatte ich vier Betten, eine Sitz-Toilette mit funktionierender Spülung, eine Dusche mit warmem Wasser, 3 Steckdosen, drei Lampen und sogar Handtücher zur Verfügung. Schnell war also klar, dass der Grad der Entbehrung in der zweiten Wanderwoche weit geringer sein sollte, aber so richtig ordentlich entbehrt hatte ich ja schon die Woche zuvor, deswegen schlief ich dann in Gedanken bei Hassan sehr gut ein, eingewickelt in drei Decken, den Kopf gebettet auf einem großen, weichen Kissen.


Ein kleines bisschen mehr entbehren durften wir in den darauf folgenden Tagen allerdings auch noch, denn bereits das zweite Gästehaus auf unserem Weg durch das Tal der Rosen hielt weder warmes Wasser noch Decken noch Kissen noch eine funktionierende Toilettenspülung bereit, aber im Gegensatz zu meinen Mitwanderern, denen die fehlende Dusche teilweise nicht ganz recht war, fühlte ich mich in meinem Schlafsack auf meiner Schaumstoffmatratze gleich wieder ein bisschen ursprünglicher, und die Eindrücke aus den Tälern der Berber ließen sich in so einem Rahmen auch viel schöner verarbeiten. Beeindruckende Felsformationen in sämtlichen Rot-Schattierungen, die man sich vorstellen kann, grüne Pappel- und Feigenwälder, große Schafherden im Hang und lustige Mulis am Wegesrand wechselten sich ab mit kurzen Abstechern in Dörfer, in denen die Uhren auch noch völlig anders als in Marrakesch ticken, in denen jeder Tourist von einer Horde kleiner Kinder verfolgt wird, die sich wie kleine Schnitzel über jedes Bonbon und jeden Stift freuen, die sie geschenkt bekommen und in denen jede Familie noch ihren eigenen Feuerholz-Haufen am Wegesrand hat.


Habe ich also nun innerhalb von zwei Wochen drei sehr verschiedene Lebenswelten innerhalb eines mir sehr fremden Kulturkreises kennengelernt und sämtliche Aspekte dabei sehr lieb gewonnen – so wirklich steht mir der Sinn noch nicht danach, mich wieder auf den Heimweg zu begeben. Aber zum einen haben meine Mitwanderer inzwischen ermittelt, dass Hassan bereits Frau und Kind hat, und zum anderen hoffe ich, dass es mir diesmal gelingt, wenigstens einen kleinen Teil meiner hier gewonnenen Erkenntnisse auch zurück im alltäglichen Kampf anwenden zu können, damit sich eben jener wieder ein bisschen weniger nach Kampf anfühlt und stattdessen nach einem Weg, den es schön ist, zu beschreiten.

*plöpp *

01.11.2015

Das kleine Reisetagebuch: Im Schatten der Tamariske.

As-salāmu ʿalaikum! Zwar ist es hier noch eine Stunde früher, als in Deutschland, aber nach 5 Tagen in der Wüste und 6 Tagen ohne Dusche oder Waschbecken fühlt sich auch 21:57 schon sehr spät an, daher an dieser Stelle ein kurz gefasster Gruß von meinem Zwischenaufenthalt zwischen Sahara und dem Hohen Atlas! (Wer den genauen Reiseverlauf nochmal nachvollziehen möchte: Hier entlang.)

Nachdem ich drei Tage benötigt hatte, um Marrakesch schätzen zu lernen, ging es am Montag Morgen nach einem Glas frisch gepresstem O-Saft zum Eingangstor meiner lieb gewonnen Hood und dort direkt in den Kleinbus, in dem ich meinen deutschsprachigen Trekking-Führer und meine 5 Mitwanderer kennen lernte - allesamt unglaublich angenehme Menschen, wie sich herausstellen sollte.


Am Montag noch im Dunklen in der Wüste angekommen und im Stirnlampen-Crashkurs schnell gelernt, wie unsere Zelte aufzubauen sind, begann die wahre Wüstenerfahrung am Dienstag nach einem ausgiebigen Frühstück unter der Sonne Marokkos, und die Wüstenerfahrung war wahrlich a humbling experience. Humble/ humility/ humbling ist auch so eine Vokabelgruppe, für die es im Deutschen keine schöne, angemessene Übersetzung gibt. Demütig/ Demut/ demütigend wäre die wörtliche Übersetzung, aber eigentlich meint die englische Vokabel etwas anderes. Demut, gepaart mit Bescheidenheit angesichts des Erlebten... also nicht im negativen Sinne, sondern in dem Sinne, dass das eigene Weltbild wieder ein bisschen zurecht gerückt wird, wenn man für eine gewisse Zeit vor Augen geführt bekommt, dass man zu Hause eigentlich lebt, wie die Made im Speck, und dass es ein wahrer Luxus ist, sich tagtäglich über all die banalen Kleinigkeiten aufzuregen, über die man sich so aufregt.


Und genau diese Begradigung des Weltbildes findet statt, wenn man 5 Tage lang durch die Wüste marschiert, keine einzige Wolke am Himmel, die Sonne erbarmungslos am lachen, der Schweiß gnadenlos am Laufen, die vereinzelten Tamarisken aller 4-5 km die einzige Rettung. Und wenn man die kühlen Nächte auf einer Schaumstoffmatte mit Blick auf die Milchstraße verbringt. Und wenn man irgendwann sogar warmes, stilles Wasser gerne trinkt, weil man das Gefühl hat, zu Staub zu zerfallen. Und wenn man sich am letzten Tag der Tour schwach, schlapp, elend und am Ende fühlt wie ein Klischee-Wüstenwanderer auf Gewaltmarsch, weil man die Nacht davor komplett durchgekotzt hat und beim besten Willen keinen Bissen drin behalten kann. Und wenn man einen 67jährigen Herren kennen lernt, der vor 27 Monaten gesagt bekam, dass er mit 85%iger Wahrscheinlichkeit noch 24 Monate zu leben hat, und der sich deswegen sehr freut, dass sein Traum, einmal durch die Wüste zu wandern, doch noch wahr wird. Und wenn man 5 Tage lang nur in ein Loch in der Erde ka*ken kann. Und [...]


Die Liste ließe sich noch um einiges weiter führen, aber ich denke, sie bekommen eine ungefähre Idee. Und wenn man dann nach erfolgreich bewältigter Wüstendurchquerung auf der Rückfahrt seine eisgekühlte Fanta bekommt, an die man während seines besagten post-emetischen Gewaltmarschs die ganze Zeit gedacht hat, um weiterhin einen Fuß vor den anderen zu setzen, war es das alles gleich nochmal wert.


Der heutige Tag war dann schon wieder fast einen eigenen Blogpost wert, aber da ich mit meiner Zeit gut wirtschaften muss, werde ich gleich nochmal auf der Dachterasse nachsehen, ob meine Wäsche noch hängt oder schon weg geflogen ist und mich danach in meine edlen Daunen verziehen und den Schlaf des Gerechten schlafen. Sehr verdient, wie ich finde.

Guts Nächtle, und
*plöpp*

26.10.2015

Das kleine Reisetagebuch: Come to Marrakech... my friend!


So. Hier nun mein erster Schritt in Richtung Einhaltung der guten Blog-Vorsätze: Ein herzlicher Gruß aus Afrika! Das klingt irgendwie kosmopolitisch, und weit weg. Wenn man allerdings bedenkt, dass selbst die Kanaren weiter weg sind, als Marrakesch, klingt es schon ein bisschen weniger exotisch. Aufregend ist es nichtsdestotrotz, denn abgesehen davon, dass Kultur und Mentalität in Marokko mit europäischen Maßstäben nicht im Geringsten zu vergleichen sind, ist besonders Marrakesch eine echte Herausforderung für Menschen, die Ruhe, Ordnung und System lieben und für Menschen, für deren Orientierungssinn es bei der Auslosung der Talente leider nicht mehr gereicht hat. Also mich. Wie ich diese Stadt also jemals auf meiner Liste der Wunsch-Reiseziele haben konnte, fragen sie? Ich mich auch. Aber nachdem ich die ersten zwei Tage noch dachte, meinen Besuch hier unter der Rubrik "Muss man mal erlebt haben, aber einmal reicht dann auch" verbuchen zu müssen, bin ich heute auf einmal traurig, nicht noch länger bleiben zu können.


[Souk in Marrakesch | Pfefferminztee | Klassischer Blick über die Dächer]

Man (wenn ich "man" schreibe, meine ich mich) findet hier einfach nichts auf Anhieb, die Medina Marrakeschs ist ein elendes Labyrinth, in dem keine, aber auch wirklich keine einzige Straße mit einem Namen versehen ist (also, in den Karten schon, aber in den Straßen leider nicht), selbstverständlich liegt nirgendwo mobiles Internet an, und den Reisetipp in meinem National Geographic-Reiseführer, dass man in der Medina am besten mit einem Kompass beraten ist, hatte ich leider zu spät gelesen. Glücklicherweise gibt es an jeder Ecke freundliche Menschen, die einem gern den Weg zeigen, und auch gern noch vieles mehr zeigen, und alles gleich noch mit erklären - grundsätzlich aber nur gegen einen kleinen Obulus. Den sie erst am Ende ihrer Führung verlangen. Um vorher die Stimmung nicht zu verderben.


Überhaupt ist man bei jedem, der einen anspricht, erstmal "my friend", alles ist "no problem" und alle sind in einer Minute wieder da, und alles, was der geneigte fröhliche Fremdenführer einem zeigen möchte, ist sowieso das Schönste, das Beste, das Älteste, das Authentischste, und "very very old", und "very very special", nur damit man zum Schluss doch wieder zum Verkaufsgespräch in irgendeiner beliebigen Teppichbude sitzt und einen Pfefferminztee schlürft, während man die neuesten Knüpferfolge der Damen des Hauses bewundert. Alles aus reiner Gastfreundschaft natürlich. In solchen Momenten lernt man dann die deutsche Reserviertheit zu schätzen - bei uns geht einem wenigstens keiner auf die Ketten, und die jenigen, die freundlich sind, meinen es auch wirklich ernst.


[Bab Agnaou mit klassischen Transportmitteln am Platz | La Menara | Djemaa el Fna]

Anfänglich schien sogar mein abendliches Entertainment-Programm meine Einschätzung von Marrakesch zu teilen, denn zum Abschalten habe ich diesmal ein paar alte Staffeln von "The Amazing Race" dabei - unter anderem Staffel 25, in der die Teams zwei Tage in Marrakesch verbrachten, wo sich Misti und Jim mit dem Fazit "We're so excited to go to Sicily because the last thing we wanted was to see Marrakech another day." verabschiedeten, aber: Sie hätten mal noch Tag 3 abwarten sollen. Denn wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, dass hier eine Hand die andere wäscht, wenn man sich selbst vertraut, wenn man sich keine Ziele mehr setzt und sich stattdessen darüber freut, wenn man überhaupt irgendwas findet, wenn man so halbwegs eine Idee bekommen hat, wo man ist, und wenn man die ganzen "Ey, my friend! Ey! Ey! Sorry! My friend, ey!"s einfach ausblendet, dann wird aus der anfänglichen maßlosen Überforderung ein wunderbares Erfolgserlebnis und plötzlich möchte man gar nicht mehr weg aus den Souks und vom Djemaa el Fna, erst recht nicht, wenn es dunkel ist.

Werde ich also morgen mit gemischten Gefühlen weiter reisen, und verbleibe mit folgenden Reisetipps für Marrakesch:

1. Eine gute Unterkunft in Marrakesch ist Hafen und Anker zugleich, denn wenn man von all dem Trubel, dem permanenten Hupen sämtlicher Verkehrsteilnehmer und der unerbittlichen Mittagssonne in eine idyllische Herberge fliehen kann, ist man innerhalb von 30 Minuten revitalisiert und wieder bereit für den Kampf - ich persönlich fühle mich sehr wohl hier im Riad Sidi Mimoune (habe allerdings auch keinen Vergleich ;) )

2. Eine Stadt(-teil)mauer ist eine genau so gute Orientierungshilfe wie ein Fluss.

3. Wenn sie jemanden nach dem Weg fragen wollen, fragen sie Mitarbeiter des öffentlichen Nahverkehrs, Frauen ohne Schleier oder bis unter die Zähne bewaffnete Sicherheitskräfte - die helfen kostenfrei.

4. Der Zoom ist dein Freund, der Ultrazoom ist dein Ultrafreund: Sobald man zu nah an einem Motiv ist und es fotografiert, kommt garantiert irgendjemand angerannt, der dafür einen kleinen Unkostenbeitrag haben möchte.

5. Im Zweifelsfall hilft es nur, so zu tun, als würde man weder Englisch noch Französisch verstehen und am besten wirres Zeug auf Sächsisch zu brabbeln - für alle anderen Ausreden haben Händler schon die passende Antwort. ("Du bist Student? Kein Problem! Diesen Teppich kannst du zu Hause für's Doppelte verkaufen!", "Du reist nur mit Handgepäck? Kein Problem! Kennst du FedEx?")


So. Und wenn ich dann noch gegoogled habe, ob zwei junge Männer im Islam Händchen halten dürfen, weil das im Islam irgendwas Unverfängliches bedeutet, oder ob hier der Fortschritt um sich greift, wird es auch schon wieder Zeit zu packen und ins Bett zu gehen, denn morgen startet der Sahara-Express in aller Herr-Allahs-Frühe und dann wird hier endlich mal richtig gewandert!

In diesem Sinne: Tisbah alal-khair, bonne nuit oder einfach nur

*plöpp*

09.01.2015

Das kleine Reisetagebuch lebt!

Ich fahre in den Urlaub, und dreimal dürfen sie raten, wohin! Nicht, dass ich es nicht schon oft genug erzählt hätte, aber es gibt ja Leute, die hören nicht zu, und für die ist dieses Spiel gemacht. Haben sie es bereits anhand des Eröffnungsfotos erahnen können, oder darf es noch ein Hinweis sein?

Neben dem dicken Vogel, der heißt, wie eine unrasierte Frucht, kommt unter anderem auch sie hier von wo ich hin fahre:



Und falls sie immernoch nicht drauf kommen, hier der Wink mit dem Zaunspfahl:

http://www.asni.net/images/lotr_map.jpg
Wer's jetzt immernoch nicht begriffen (und gelesen) hat, der verdient es auch nicht, zu wissen, wo ich hin fahre. Wer es erraten hat und darüber hinaus gern unserem Reiseverlauf folgen möchte, der sei über diesen Link (Reiter: Tourenverlauf) herzlich dazu eingeladen, sollte allerdings beachten, dass wir die Reise von hinten nach vorne reisen. Geht also los in Christchurch und endet in Auckland.

Ins Leben gerufen wurde diese Idee von meiner lieben Frau Mutter, die schon immer mal ins Neuseeländische wollte aber nie jemanden hatte, der sich ihr angeschlossen hätte. Also wendete sie sich, wahrscheinlich eher zum Spaß, vertrauensvoll an mich. Hatte aber wahrscheinlich nicht damit gerechnet, dass meine zwischenmenschliche Durststrecke inzwischen schon so an mir gezehrt hatte, dass ich einfach ja sagte und guckte dementsprechend auch ein bisschen überrascht. Und so kam es, dass wir zwei, die sich eigentlich erst wieder so richtig gut verstehen, seit ich zu Hause ausgezogen bin, ab morgen vier Wochen aufeinander hocken werden. In einem Land, das ich eigentlich nie wirklich auf meiner Liste hatte, weil mein ehemaliger Lieblingsmensch und mein ehemaliger Unlieblingsmensch dort einen Teil ihres gemeinsamen Lebens verbrachten und ich es deswegen von der Liste meiner Traumreiseziele gestrichen hatte.

Da ich aber schon so oft im Leben die Erfahrung machen durfte, dass sich die zweite Wahl im Nachhinein als die beste Wahl herausstellt, und mit Situationen, an die ich skeptisch heran gehe, sowieso immer mehr Glück habe als mit jenen, die ich verblendet euphorisch begrüße, bin ich (heimlich) bester Dinge, dass das ein großartiger Urlaub wird. Und nachdem ich heute noch einmal den kompletten Reiseverlauf gelesen habe, bin ich inzwischen sogar schon ein bisschen aufgeregt und auch ein kleines bisschen begeistert von der Idee, die nächsten vier Wochen im Zelt auf meiner Isomatte zu wohnen.

Könnte also alles so schön sein, wären da nicht die unermüdlichen Patrioten, und dank der unglaublichen Tragödie um das Massaker in der Pariser Charlie Hebdo-Redaktion nun auch noch eine Schar von Neunmalklugen, die sich zwar mit den PEGIDA nicht abgeben möchten, dafür aber die Je Suis Charlie-Bewegung gnadenlos missbrauchen, um noch mehr Fremdenfeindlichkeit zu schüren, als es so schon geschieht. Für eine gesunde Gesellschaft, in der die Ideen der Pluralität, der Aufgeschlossenheit, der friedlichen Koexistenz und der Chancengleichheit zwar blühen, in ihrer Blüte aber auch gehegt und gepflegt werden müssen und immer zerbrechlich bleiben, sind solche plump-tumb-plakativen Vorstöße gegen Unbekannt auf Dauer Gift. Und gerade als Dresdner, der der Welt gern zeigen möchte, dass im Tal der Ahnungslosen nicht nur unaufgeklärtes Wutbürgertum lebt und dass die besorgten Vaterlandstouristen hier alles andere als Willkommen sind, verreise ich jetzt nur ungern für so lange Zeit.


Lasst mir meine Stadt nicht im Stich. (Nächste Chance siehe da)

United, we stand.
Divided, we fall.

Und für ein versöhnliches Ende: Kakapo!



*plöpp*

04.03.2014

Der Wintersport und Ich - ein Wiedersehen.



Ich hatte Winterurlaub! Und ich möchte bitte nicht erörtern, welcher Umfang einen "echten Winterurlaub" ausmacht. Denn während versierte Wintersportler ein verlängertes Wochenende in Zinnwald wahrscheinlich nur müde belächeln können, war es für mich eine kleine Zeitreise in eine Welt, die ich nur noch von ganz früher kannte - als Zeugnisse dieser verschneiten Vergangenheit hier dreimal ich. 1997 mit der Omi irgendwo im deutschen Nirgendwo, 1999 mit dem Vati im Isergebirge und 2001 mit der Tante im Winterurlaub am Achensee -  der letzte Urlaub, in dem ich auf Skiern stand. Allein meine Hose zeigt deutlich, wie lange das her ist. Entsprechend skeptisch war ich, als auf Arbeit die Frage im Raum stand, wer Lust auf einen kurzen Skiurlaub hat. Aber wenn ich schonmal die Gelegenheit bekomme, in fröhlicher Gesellschaft zu verreisen, riskiere ich gern Leben und Bewegungsapparat, also doch nur ganz kurz gezögert und schließlich "hier" geschrien.

Am Telefon meinte mein Vati noch "Du? Ins Erzgebirge? Zum Skifahren? Jetzt? Aber gut, Zinnwald ist immer für die ein oder andere Wetterkapriole gut. Und Skifahren verlernt man nicht." Und Recht sollte er behalten. Der Sonnabend begann in Dresden so:


...und als wir Zinnwald mittags erreichten, sah es dann so aus:



Aber aktiv und vital, wie wir Krankenschwestern schon von Natur aus nunmal sind, ließen wir uns nicht lumpen und wanderten tapfer durch raureife Wäldchen und dichten Nebel, um unsere ersten, sportlichen Erfolge anschließend gebührend zu begießen.


Am Sonntag ging es voller Elan auf die Holzhauer Piste, wo wir die dicken Wolken fort lächelten und zwei Stunden das Beste aus den übersichtlichen Schneeverhältnissen machten. Den Glühwein gab es stilecht zu erlesener Après-Ski-Musik, abends erkundeten wir den Saunabereich und das Schwimmbad des Lugsteinhofs, und den Abschluss des Tages bildete der Wiener Tatort (in der Wiederholung).


Und am Montag leisteten wir uns noch eine 12er-Karte in Altenberg, speisten noch einmal in authentisch-ahoamscher Atmosphäre und dann ging es auch schon wieder heim.

Übersichtlich, möchte man meinen, aber wie sagt meine Oma immer? "Muss es unbedingt [jedes Reiseziel, das man nicht mit dem Bus erreicht] sein? Im Erzgebirge is' auch schön." - und auch, wenn ich diese Überzeugung nur sehr bedingt teile, in Bezug auf dieses konkrete Wochenende hatte sie recht. Denn zum wiederholten Mal bestätigte sich, dass weder Entfernung, noch Kosten, noch Dauer noch Programm fröhliche Gesellschaft aufwiegen können.

Und auf den Skiern umgefallen bin ich auch nur einmal. Nach 13 Jahren ein guter Schnitt, wie ich finde. Möchte jetzt wieder öfter Skifahrn.

*plöpp*