04.03.2014

Der Wintersport und Ich - ein Wiedersehen.



Ich hatte Winterurlaub! Und ich möchte bitte nicht erörtern, welcher Umfang einen "echten Winterurlaub" ausmacht. Denn während versierte Wintersportler ein verlängertes Wochenende in Zinnwald wahrscheinlich nur müde belächeln können, war es für mich eine kleine Zeitreise in eine Welt, die ich nur noch von ganz früher kannte - als Zeugnisse dieser verschneiten Vergangenheit hier dreimal ich. 1997 mit der Omi irgendwo im deutschen Nirgendwo, 1999 mit dem Vati im Isergebirge und 2001 mit der Tante im Winterurlaub am Achensee -  der letzte Urlaub, in dem ich auf Skiern stand. Allein meine Hose zeigt deutlich, wie lange das her ist. Entsprechend skeptisch war ich, als auf Arbeit die Frage im Raum stand, wer Lust auf einen kurzen Skiurlaub hat. Aber wenn ich schonmal die Gelegenheit bekomme, in fröhlicher Gesellschaft zu verreisen, riskiere ich gern Leben und Bewegungsapparat, also doch nur ganz kurz gezögert und schließlich "hier" geschrien.

Am Telefon meinte mein Vati noch "Du? Ins Erzgebirge? Zum Skifahren? Jetzt? Aber gut, Zinnwald ist immer für die ein oder andere Wetterkapriole gut. Und Skifahren verlernt man nicht." Und Recht sollte er behalten. Der Sonnabend begann in Dresden so:


...und als wir Zinnwald mittags erreichten, sah es dann so aus:



Aber aktiv und vital, wie wir Krankenschwestern schon von Natur aus nunmal sind, ließen wir uns nicht lumpen und wanderten tapfer durch raureife Wäldchen und dichten Nebel, um unsere ersten, sportlichen Erfolge anschließend gebührend zu begießen.


Am Sonntag ging es voller Elan auf die Holzhauer Piste, wo wir die dicken Wolken fort lächelten und zwei Stunden das Beste aus den übersichtlichen Schneeverhältnissen machten. Den Glühwein gab es stilecht zu erlesener Après-Ski-Musik, abends erkundeten wir den Saunabereich und das Schwimmbad des Lugsteinhofs, und den Abschluss des Tages bildete der Wiener Tatort (in der Wiederholung).


Und am Montag leisteten wir uns noch eine 12er-Karte in Altenberg, speisten noch einmal in authentisch-ahoamscher Atmosphäre und dann ging es auch schon wieder heim.

Übersichtlich, möchte man meinen, aber wie sagt meine Oma immer? "Muss es unbedingt [jedes Reiseziel, das man nicht mit dem Bus erreicht] sein? Im Erzgebirge is' auch schön." - und auch, wenn ich diese Überzeugung nur sehr bedingt teile, in Bezug auf dieses konkrete Wochenende hatte sie recht. Denn zum wiederholten Mal bestätigte sich, dass weder Entfernung, noch Kosten, noch Dauer noch Programm fröhliche Gesellschaft aufwiegen können.

Und auf den Skiern umgefallen bin ich auch nur einmal. Nach 13 Jahren ein guter Schnitt, wie ich finde. Möchte jetzt wieder öfter Skifahrn.

*plöpp*

16.02.2014

Treat Yo Self.



Ich hatte Valentinstag. Und zum ersten Mal in meinem inzwischen ja nun doch schon ein kleines Stück fortgeschrittenen Leben ist das etwas Gutes. Allein die Häufigkeit, in der dieser Tag in meinem Schreibheft hier bis jetzt besprochen wurde, weist schon recht deutlich auf unser bisheriges Verhältnis hin - einmal ist er erwähnt. Damals noch liebevoll als "Valenscheißtag" betitelt, inklusive eines Valentinsgrußes des mir im Februar 2009 noch unbekannten Zukünftigen. Red'mer nich' drüber.

Dieses Jahr hatte ich allerdings beschlossen, den Valentinstag ganz im Sinne meiner "Liebe nicht als Feind betrachten"-Leitlinie, entgegen meiner natürlichen Instinkte, mal zu feiern. Uminterpretiert auf meinen Status natürlich. Zwar gibt der Wikipedia-Artikel zum Valentinstag für Alleinstehende nicht wirklich viel her, doch der geneigte Parks & Recreation-Fan (ich, in dem Fall) ist Wikipedia bereits einen Schritt voraus und sieht im Valentinstag die perfekte Gelegenheit, ein Konzept, das er (ich, in dem Fall) schon lange einmal umsetzen wollte - die Idee des "Treat yo self". In diesem Clip erklären Donna Meagle und Tom Haverford in aller Kürze, worum es geht - wer des Englischen nicht mächtig ist: die wörtliche Übersetzung lautet "Gönn' dir was". Und um mehr geht es eigentlich auch gar nicht.

Gedacht, getan ließ ich mich dann dementsprechend auch nicht lumpen und bestellte im Vorfeld allerlei Plunder zu meinem persönlichen Vergnügen, buchte mir einen Kurzurlaub, durchkämmte einen Tag zuvor noch einmal die Regale bei Rewes, Rossmanns und Konsums, verpackte die Geschenke liebevoll und fertig war die Überraschung.


Der Tag begann mit einem wunderschönen Blumenstrauß, den ich mir gemeinsam mit all meinen Geschenken überreichte, während in der Küche der Kaffee durchlief, den ich noch angesetzt hatte bevor ich mich mit einem zärtlichen Guten-Morgen-Kuss weckte (an dieser Stelle ist man allein leider im Nachteil) angesetzt hatte, nachdem der Postbote uns um 8 mit ungewohntem Nachdruck aus den Betten geklingelt hatte. Wahrscheinlich auch Single. Zum Frühstück gab es frische Brötchen mit echter Butter und einer köstlichen Käseauswahl, dazu alkoholfreien Hugo aus grüner Flasche und grüne Kerze daneben, und nachdem ich während zwei Folgen Parks & Recreation alles aufgegessen hatte, war endlich Bescherung.

Die Geschenke, von oben links angefangen und dann in wirrer Reihenfolge weiter erzählt weil suboptimal angeordnet:
• Handstaubsauger Severin AH 7908. Den ich schonmal hatte, dann war er kaputt, dann habe ich mir Modell AH 7910 gekauft, das saugt so fantastisch, da kommt man schneller, wenn man die Vogelfedern von Hand aufsammelt - nun habe ich endlich wieder 7908. Glauben sie keinen Kundenbewertungen.
• Heizlüfter Clatronic HL 3379. Der gleiche wie immer. Inzwischen der vierte. Ich habe halt Verschleiß. Was soll ich sagen.
• Heizlüfter Clatronic HL 3378. Mal was anderes ausprobieren.
• Wassersprudler SodaStream Cool. Für die Umwelt. Und für den Rücken.
• Teebaumöl. Ich riech' das einfach so gerne.
• Penaten Baby Intensiv-Lotion mit Naturals. Ich riech' die einfach so gerne. (Irgendwo im Bild versteckt sich auch noch L'Oreal Lotion - das war leider die falsche. Aber wenn ich mir nicht genau sage, was ich haben möchte, kaufe ich natürlich auch das Falsche.)
• Pepperidge Farm Chocolate Chunk White Chocolate Macadamia Crispy Cookies. Als Lieblingskekse bereits letzten Februar vorgestellt.
• Lieblings-Weiße-Choco-Crossies.
• Rewe Bio Krokant Snacks Cashew, Mandel und Sesam.
• Das Minderheiten-Quartett samt Erweiterung "Soziale Kernschmelze" - sehr sehr lustig.
• "Pawnee. The Greatest Town in America" von Leslie Knope - sehr sehr lustig, und gleichermaßen lehrreich.
...und repräsentativ für meinen Hamburg-Kurzurlaub im März das Woodkid-Ticket für die o2 World.


Weiter ging es mit einer ausgedehnten Prokrastinations-Runde - Quizduell, Castleville Legends, SongPop und Facebook, alles ohne Limits und ohne schlechtes Gewissen -,im Anschluss gab es die Lieblingsmahlzeit (Cordon Bleu mit Tomate-Mozzarella) zur aktuellen Folge von "Under The Gunn" und für die Wellness ging es am frühen Abend ins Nordbad. Wo ich vorher noch nie war. Was so auch gleich in meinen "Öfter mal was Neues"-Vorsatz für's Jahr 2014 hinein spielte und mir dadurch überdies noch ein zusätzliches Erfolgserlebnis verschaffte. Und auch wenn man nicht viel verpasst, wenn man das Nordbad nicht kennt - ein frisch sauniertes Gefühl am Abend ist einfach schön.




Außerdem schaut sich frisch sauniert auch ein Disney-Film viel angenehmer - so geschehen 20:15 in Gesellschaft des lieben M., der mich, technisch gesehen, sogar noch bekochte, bevor wir uns schließlich zum Schwof begaben. Wo ich zum ersten Mal seit Ewigkeiten wieder zu Linkin Park tanzen durfte, nüchtern den schönsten Mann am Platz (subjektive Beurteilung) ansprach und schließlich auf dem Heimweg das Gefühl genoss, 4 Uhr immernoch geradeaus laufen zu können und nichts gesagt oder getan zu haben, was mir am nächsten Morgen leid tun müsste.

Ich glaube, sich selbst zum Valentin zu haben, ist nicht das Schlechteste.
Und Valentinstag darf jetzt von mir aus öfter sein.

*plöpp*

01.02.2014

"You are a goddamn tree stump, with leaves sprouting out. Reborn."


Eigentlich habe ich auch andere Themen. Aber jedes Mal, wenn ich mich aufraffe, das kleine Schreibheft doch mal wieder zu pflegen, reicht die Zeit schon nicht mehr aus, um noch ausreichend Material zusammen zu tragen.

Deswegen heute, und hier, als erste Wortmeldung seit meiner letzten Wortmeldung bezüglich meiner Alkoholabstinenz: Alkoholabstinenz! Repräsentiert durch eine Tasse Kaffee und ein Glas Wasser. Der erste Monat ohne Alkohol ist nämlich rum. Würde ich Sekt trinken, würde ich feiern. Nach 20 Tagen hatte ich bereits die addierte Zahl meiner alkoholfreien Tage der Jahre 2012 und 2013 (Gesamt) überschritten, und wann ich das letzte Mal einen alkoholfreien Monat erlebt habe... müsste ich meine Mutti fragen.

Ein Zwischenfazit fällt mir allerdings schwer. Es ist schön, zu erleben, dass man gefasste Vorsätze tatsächlich halten kann, und dass man in der Lage ist, sich zu disziplinieren, wenn man nur will. Es ist schön, nüchtern zu beobachten, wie heitere Mitmenschen immer lauter und immer peinlicher werden und zu wissen, dass man endlich mal keiner von ihnen ist. Es ist schön, all die Kalorien zu sparen. Und es ist schön, das Gefühl zu haben, niemals die Kontrolle über die eigenen Emotionen zu verlieren. Aber wie ich letzte Nacht feststellen durfte, ist auch das nur eine trügerische Ruhe, die bei einer entsprechenden Zahl und Intensität von Störfaktoren schnell zu zerbrechen droht. Und dann ist man erst recht perplex, dass man all die Gefühle, die man im Rückblick so gern auf eine alkoholisch induzierte Hypersensibilität und einen Hang zur sturztrunkenen Melodramatik geschoben hätte, immernoch empfindet. Im nüchternen Zustand ist man dann zwar glücklicherweise auch in der Lage, die Dinge nüchtern zu betrachten (pun intended), aber all zu tröstlich schien mir das bei meiner jüngsten Erfahrung nicht.

Das soll jetzt auf keinen Fall nach einem Rückfall ins Traurige klingen, und ich erwarte auch nicht, dass jetzt irgendjemand ob meiner unkonkreten Überblicksdarstellung die Hintergründe erfragt und mir dabei den Kopf tätschelt - ich wollte nur feststellen, dass der Verzicht auf Alkohol noch keine Probleme löst, und dass Teile meiner Persönlichkeit, die aktuell weitaus seltener zu Wort kommen, als früher, trotzdem ein Teil von mir bleiben. Hashtag SichSelbstKennenUndRespektierenLernen.

In diesem Sinne, und damit wenigstens ein Mindestmaß an Abwechslung zu meiner ständig wiederkehrenden Visage hier gegeben ist, drei Songs. Wobei mir Mary Lamberts "I Know Girls (Body Love)" in dieser Reihe besonders am Herzen liegt. Weil ich selten etwas so Überzeugendes, Bewegendes und Kraftvolles gehört habe. Ich verzichte darauf, den kompletten Text zu zitieren. Sie singt relativ deutlich.



Und damit gar nicht erst einer auf die Idee kommt, dass die eben gelesenen Zeilen einen neuen Kurs bergab einläuten sollen, zu guter Letzt noch: Ein Lächeln. :)



*plöpp*

11.01.2014

Quod me nutrit me destruit. No more. Erstmal.


So. Beim letzten Mal hatte ich ja angekündigt, noch ein wenig Zeit verstreichen lassen zu wollen, bevor ich meine guten Vorsätze beschreie. Da aber heute genau genug Zeit verstrichen ist, um ein erstes Nahziel zu zelebrieren, enthülle ich hiermit meinen ersten guten Vorsatz für's Jahr 2014: Nie wieder Alkohol. Wobei die Auslegung von "nie wieder" nur durch den Lauf der Zeit und den Lauf der Dinge bestimmt werden kann. Denn eines schönen Tages trinke ich wieder Bier. Da aber all meine Bemühungen, das ganze Thema vernünftig zu moderieren, bereits im Umsetzungsversuch gescheitert oder im Verlauf gegen den Baum gegangen sind, bleibt mir nun nichts anderes übrig als ein vorläufiges "nie wieder".

Und der bereits erwähnte Meilenstein besteht darin, dass ich mit dem gestrigen Tag bereits meinen zehnten alkoholfreien Tag im neuen Jahr bewältigt habe und damit 2014 bereits mehr alkoholfreie Tage vorweisen kann, als im Jahr 2013. Gesamt. (Und bevor mir hier jemand klug geschissen kommt: Ich habe am 01.01. ab 0 Uhr nur noch Robby Bubble getrunken). Sollte ich es auch noch heute und morgen ohne Alkohol aushalten, können wir außerdem am Montag gleich die nächste überwundene Hürde beklatschen. Dann sind es nämlich auch mehr alkoholfreie Tage als im Jahr 2012. Gesamt.



Belege dafür, dass ich und die Flasche viel Zeit miteinander verbracht haben, liefern unter anderem diese 3 Bilder aus dem Jahr 2013, die ich eigentlich im Rahmen meiner Recherche zu meinen Erlebnissen des Jahres heraus gesucht hatte. Welche ich im ausgestalteten Rückblick noch ein wenig bebildern wollte mit Fotos von mir, auf denen ich fröhlich bin. Sie sehen: Mich und Vodka, mich und Bier, mich und Sekt. Ohne dass ich gezielt danach gesucht hätte. Was die Bilder aber nicht hergeben, ist die Tatsache, dass sie allesamt entstanden sind, bevor das Maß, respektive der André, voll war. Vor Tiraden des Selbstmitleids. Vor Attacken der emotionalen Verzweiflung. Vor grenzwertig pathologischer Loggorhoe. Und vor dem regelmäßigen Verlust jeglicher Selbstachtung.

Wenn ich ihnen also virtuell zuproste, können sie aktuell am ehesten davon ausgehen, dass ich meine Kaffeetasse hebe, und das liebevoll verabschiedende *plöpp* ist vorerst eine Sprudelblase im Wasserglas. Auch putzig.

In diesem Sinne:
*plöpp*

05.01.2014

2014 ahoi.

 
Heute verabschiedet sich bereits die erste Woche des neuen Jahres und morgen feiere ich nach einem Frühdienst und vier Nachtdiensten meinen ersten, freien Tag, während andere sich wahrscheinlich erstmal wieder orientieren müssen auf ihrem Schreibtisch. Deswegen noch schnell: Gesundes Neues!


Bisher verläuft mein Jahr sehr entspannt und ich bin voll im Plan, aber bevor ich mich all zu ausführlich darüber ergieße, was ich an meiner Wäscheleine der guten Vorsätze alles befestigt habe und von welchen Erfolgen meine Bemühungen bisher gekrönt waren, würde ich doch lieber noch ein wenig Zeit verstreichen lassen. Und verbleibe daher an dieser Stelle mit einem Verweis zur neu gemachten Homepage des Neustadtspaziergang, deren Kalender unsere Küche auch in diesem Jahr wieder optisch aufpeppt. Über 750 Fotos des Lieblingsstadtteils gibt es dort zu bewundern, und wer mir für jedes einzelne Foto sagen kann, wo es aufgenommen wurde, bekommt wahlweise einen Kaffee, eine Karussellfahrt oder einen Kuss mit Zunge.

Ich freu mich!
*plöpp*

31.12.2013

Ich glaube, es wird Zeit für ein neues Jahr.


Wieder ein Jahr geschafft. Ein Jahr, für das ich große Hoffnungen hatte. Besonders nach einem eher mäßigen Vorjahr. Um es optimistisch zu formulieren. Aber wie so oft kam alles anders als geplant, und nun sitze ich hier und denke darüber nach, was sich eigentlich getan hat in den vergangenen 365 Tagen und was ich daraus mitnehmen kann ins neue Jahr. Weiß aber nichtmal, wie ich mich dem Ganzen nähern soll. Die Tatsache, dass ich diesen Post bereits seit gestern schreibe und gerade zum achten Mal neu beginne, spricht Bände.

Aber ich glaube, ich möchte mich gern auf die Dinge konzentrieren, die mich retrospektiv freuen. Denn auch, wenn meine manische Phase, die nach 2009 und 2011 in diesem Jahr eigentlich wieder dran gewesen wäre, ausblieb, empfinde ich gerade eine gewisse Grundzufriedenheit, die sich sehr mittig anfühlt. Was vielleicht ein bisschen plemplem klingt für den geneigten Leser, aber die Suche nach meiner Mitte ist eigentlich schon immer das gewesen, was mich angetrieben hat. Und Ende des Jahres sagen zu können, dass ich mich ihr recht nah fühle, ist schön.

Direkt zu Beginn des Jahres wurde ich wieder von jemandem fallen gelassen, den ich sehr gern mochte. Aber ich habe es hingenommen und stattdessen versucht, mich mit Dingen zu beschäftigen, die mir Freude bereiten, habe Zeit mit Menschen verbracht, denen an mir lag und habe schließlich emotionale Verstrickungen gefastet, um erstmal zur Ruhe zu kommen. Was mir zwar gelang, aber es war eine traurige Ruhe. Selten habe ich Alleinsein so einsam empfunden wie auf meiner England-Reise im April.

Die Wende kam erst im Mai, als ich mit Kathleen eine großartige Woche in Schottland verbrachte. Und auch, wenn die Bücher verraten, dass ich am 30.06. immernoch ein trauriges Nüsschen war, weil Erinnerungen mir einen Strich durch die fröhliche Rechnung machten und ich am 06.07. nach 81 Tagen als Nichtraucher wieder mit Zigarette am Fenster saß, weil ich das gemeinsame Klingelschild gesehen hatte, waren das nur kurze Rückschläge in einem zweiten Halbjahr, das sich ansonsten sehr erfreulich entwickeln sollte.


Nach meinem Wanderurlaub in den Dolomiten lernte ich am 20.07. einen Jungen kennen, der der einzige bleiben sollte, der 2013 neu in mein Leben trat. Und bei dem ich zum ersten Mal seit langem wieder das Bedürfnis hatte, selbst die Initiative zu ergreifen. Was ein schönes Gefühl war, weil ich zwischendurch schon befürchtet hatte, meine Begeisterungsfähigkeit für die Zielgruppe endgültig verloren zu haben. Zwar fand auch diese Geschichte nach 3 Monaten wieder ein Ende, aber ebenfalls zum ersten Mal seit langer Zeit war ich sehr zufrieden, wie ich damit umging. Schon als während der 3 Monate die ersten, tiefen Zweifel kommuniziert wurden, ging ich in den Park und beobachtete die Vögel, statt die Vorhänge zuzuziehen und die "Nicht-Schon-Wieder"-Playlist zu starten. Und als es schließlich vorbei war, war ich froh, wenigstens einen sehr lieben Freund für mein Leben gewonnen zu haben.

Am positivsten überrascht war ich allerdings von dem Abschnitt des Jahres, der traditionell meine Angstzeit ist, in der bestenfalls gar nichts und schlimmstenfalls alles den Bach runter geht: Die Zeit zwischen der Zeitumstellung und der Wintersonnenwende. In diesem Jahr also die Zeit vom 27.10. bis zum 21.12. Der ich schon ängstlich entgegen blickte und für die ich mich bereits mit Taschentüchern bewaffnet hatte, aber als es dann so weit war, passierte nichts. Einfach nichts. Wenn die Sonne 16 Uhr unterging, schaltete ich meine Lichterketten ein und war zufrieden. Einfach so. Keine Ahnung, was da passiert ist, aber diese Erfahrung war zu schön, als dass ich sie groß hinterfragen wöllte. Und wurde schließlich noch gekrönt, als ich zum Geburtstag eine Schöne-Tage-Box geschenkt bekam mit der Erklärung, dass ich "gerade so schön positiv" bin. Was man besonders gern von Menschen hört, die das auch wirklich beurteilen können, weil sie das ganze Jahr um unsere Freundschaft bemüht waren. Unabhängig von meiner Gemütslage.


Und als ich vom 24. bis 28.12. sogar noch einmal die Erfahrung machen durfte, dass ich mich mit einem Jungen gut fühlen kann, ohne wenn, ohne aber und ohne Fragen, einfach bedingungslos glücklich, da war meine Welt heller, als sie es in manchem Sommer war.

Vielleicht ist meine momentane Ausgeglichenheit auch der Grund, warum ich es im Jahr 2014 mal wieder mit echten, guten Vorsätzen versuchen möchte. Und auch, wenn der Vorsatzkatalog im Detail erst noch fertig ausgetüftelt und verschriftlicht werden muss, stehen die Eckpfeiler, die ihn tragen sollen, schon seit mehreren Wochen fest. Weil es keine spontan ausgedachten Ideen sind, sondern Wünsche, die ich schon das ganze Jahr mit mir trage und die ich mir im neuen Jahr gern erfüllen würde: 2014 möchte ich mich nicht mehr für mich schämen müssen, und 2014 möchte ich endlich langfristig denken. Zwar sind das nur zwei Eckpfeiler, aus denen man schlecht ein metaphorisches Haus bauen kann, aber ich habe mich inzwischen mit der Metapher der Wäscheleine der guten Vorsätze zufrieden gegeben. Die gespannt ist vor meinem kleinen Haus aus Schrott.

In diesem Sinne: Gehabt euch wohl, und auf Wiedersehen im Jahr 2014!

*plöpp*

24.12.2013

Merry Tuesday!



"Although it's been said many times and many ways:
Merry Christmas to you!"

Frohes Fest all jeden, die es gern begehen und auch all jenen, die in Embryostellung im Bad ohne Fenster liegen und darauf warten, dass es endlich vorbei ist. Ich kenne beides, und ich kann euch sagen: Weihnachten ist wunderschön, und Weihnachten geht vorbei.



Omi hat den Kaffee bestimmt schon im Filter, deswegen nur noch fix:
Eine behagliche Zeit, Kerzenschein und Frieden! Öffnet die Herzen.

*plöpp*

15.12.2013

Adventsbasteln.


Irgendwie warte ich nun schon seit 3 Wochenenden darauf, dass in unserem kuschligen Winter-Wunder-Zuhause mal richtige Weihnachtsstimmung einkehrt, aber es passiert einfach nichts. Ich gebe mir schon große Mühe, jeglichen weihnachtlichen Content, den ich zwischen die Finger bekomme, aufmerksam zu studieren und schaue auch immer artig meinen Wintersport im ZDF, aber irgendwie...



Dieses Jahr kommt allerdings auch viel Mist. Professionelle Unterhalter, auf die früher mal Verlass war, versagen einer nach dem anderen (bitte selbst gendern). DWV, kurz für Detox, Willam und Vicky Vox, die in der Vergangenheit sowohl in den Staffeln 4 und 5 von RuPaul's Drag Race als auch mit ihren eigenen Coverversionen ("Boy is a bottom", "Silicone") überzeugt haben, liefern mit "That Christmas Song" eine lieblos hingeschmissene Nummer, die einen 3 Minuten und 50 Sekunden hoffen lässt, dass es bald vorbei ist. Die YouTube-Trash-Drag Alternativen Nicola Foti aka K8 und seine Freundin Kayleigh sind in "Present Overflow" lustig, aber auch nicht lustiger als sonst. Und Pentatonix, die mich letztes Jahr mit ihrer Version von "Carol of the Bells" so begeistert haben, veröffentlichen mit "Angels We Have Heard On High" ein neues Weihnachtscover, das zwar schonmal besser ist, als ihr richtig schlechtes "Little Drummer Boy", aber auch nicht gut genug, um es einzubetten. Wenigstens Katzencontent geht immer - dieses Jahr äußerst charmant verweihnachtet durch Grumpy Cat, Colonel Meow, Nala Cat, Oskar the blind Cat und Hamilton the Hipster Cat featuring each other in "Hard to be a Cat at Christmas".



Kelly Clarksons Weihnachtsalbum "Wrapped in Red" stinkt bis auf wenige Ausnahmen ("Just for Now", "4 Carats", "My Favorite Things") auch ab und nachdem mir Tamar Braxtons Weihnachtsalbum fast aus den Ohren zurück geblutet wäre habe ich gerade gar keine richtige Muse, weitere Neuveröffentlichungen anzuhören - kurzum: Das läuft nicht wirklich.



Einen kleinen Lichtblick liefert die Entertainment Weekly, die in ihrem 12 Days of Christmas Classics-Countdown diverse, pouläre Weihnachtsklassiker (ist ein "populärer" "Klassiker" doppelt gemoppelt? gibt es das Wort "gemoppelt"?) präsentiert und darüber abstimmen lässt, wer sie jeweils am schönsten interpretiert hat - aktuell wurden bereits "Baby it's cold outside", "The Christmas Song (Chestnuts Roasting on Open Fire", "Have yourself a Merry Litte Christmas", "Let it Snow", "The Little Drummer Boy", "O Holy Night" und "Rudolph, the Red-Nosed Reindeer" besprochen.



Dem Geist der Weihnacht am nächsten gebracht hat mich allerdings heute sie hier: Clarissa. Denn nachdem ich den Zweiten Advent mit einer teuren Kollegin im Spätdienst verbrachte, in dem wir mehr saßen und plauderten als alles andere und sie mir berichtete, dass sie einen zweidimensionalen Transparent-Faltstern für ihr Fenster haben möchte, weil ihr alter weg ist, habe ich mich direkt auf die Suche nach Faltanleitungen begeben, Clarissa gefunden, Transparentpapier gekauft und heute nun endlich das Meisterwerk vollbracht.



Die Lichtverhältnisse waren weder am Fenster noch an einer meiner zahlreichen Lampen optimal, um Clarissa gut zu präsentieren, aber ich denke, man bekommt den Eindruck, und ich war mehr als nur stolz auf mich, als das Ding endlich fertig war. Denn weder Geduld noch Feinmotorik noch penible Akkuratesse zählen zu meinen besonders ausgeprägten Features, und so war es doch ein kleines Wunder, als am Ende meiner Bemühungen etwas anderes als ein zerknüllter Ball Transparentpapier heraus kam.

Wer gern nachbasteln möchte und den Links bisher noch nicht gefolgt ist: Hier gibt es die Falt-Anleitung für Fensterstern Clarissa als PDF und hier die Schritt-für-Schritt-Fotodokumentation. Ich persönlich habe an irgendeiner Stelle irgendeine Ecke falsch umgeknickt, aber schön ist es trotzdem geworden. Und wenn ich das in meiner groben Recherche zur großen Welt der Faltsternkunst richtig verstanden habe, ist man sowieso eingeladen, Faltmuster zu variieren. Wir Sternfalter wissen nämlich manchmal gar nicht mehr, wohin mit unserer Kreativität.

Zum Abschied des Dritten Advent gibt es nun gleich noch eine heiße Tasse Himbeerglühwein und danach einen weiteren, besinnlichen Nachtdienst. Lasst uns froh und munter sein!

*plöpp*

14.12.2013

Mein Herz tanzt.




Ich war ja mal wieder im Kino. Und habe mich gefreut. Denn ursprünglich wusste ich gar nichts von "Five Dances", und nur dank meiner unermüdlichen Bemühungen, meinen Facebook-Newsfeed stets lückenlos zu verfolgen, sah ich am Montag, dass Scott Matthew die Berliner Premiere des Films im Rahmen der MonGay-Reihe im Kino International bewarb. Und wenn Scott Matthew und gay in einem Post vereint sind, schaue ich auch mal das dazu gehörige YouTube-Video.



Wunderschöner Trailer und wunderschöne Darsteller motvierten mich direkt, mal nachzusehen, ob der Film auch in Dresden läuft, und da das Kino im Dach diesbezüglich ja hier das wahrscheinlichste Lichtspielhaus ist, habe ich zuerst auf deren Homepage nachgesehen, und siehe da: Läuft! Bzw. lief. Also Dienstag Abend 20:15 ins Kino, für liebe 5 Euro unter die Dachschräge gesetzt und Finger gekreuzt, dass der Trailer nicht besser ist, als der Film.



War er nicht. In 5 Akte unterteilt, die jeweils von großartigen Ballett-Performances zu ebenso großartiger Musik eingeleitet wurden, war es eine wahre Freude, Ryan Steele und Reed Luplau zuzusehen, welche Leidenschaft sie in ihre Performance steckten, wie die Funken zwischen den beiden fast schon das Studio, in dem sie trainierten in Brand setzten... und wie sie's dann endlich getrieben haben. Nicht, dass ich so einfach zu begeistern wäre. Aber man sieht halt doch, wenn die beiden männlichen Darsteller, die sich da gerade lieb haben, auch im wahren Leben Männer lieb haben. Und dass es nicht reicht, einfach zwei wunderschöne Burschen 90 Minuten von links nach rechts und von rechts nach links durch's Bild laufen zu lassen, damit ich ein filmisches Meisterwerk ausrufe, hat ja jüngst "Freier Fall" bewiesen, den ich inhaltlich und schauspielerisch so mau fand, dass es nichtmal mehr Max Riemelt wirklich rausreißen konnte.



War ich also hellauf begeistert. Wenn auch pseudointellektuelle Arthouse-Jünger vergebens nach tiefschürfenden Botschaften suchen werden. Aber ich freue mich auch immer wieder über kurzweilige Filme mit Happy End, die für kurze Zeit vergessen lassen, dass es im wahren Leben nie so zugeht, wie in derlei Schmachtschinken. Wobei Rhys Kosakowski, ehemaliger Billy Elliott-Darsteller und Derek Dunn, zwei schöne Männer, die sich im Houston Ballet kennengelernt haben und seitdem 1 Herz und 1 Seele sind, beweisen, dass Kino manchmal auch im Alltag funktioniert. Und auch Ryan Steele hat in Texas angefangen... Vielleicht auch 'ne Option für den nächsten 5-Jahres-Plan?



Und als ich mich noch freute, dass Rhys Kosakowski und Derek Dunn so ein tolles Echtzeit-Ballet-Paar sind, fand ich im Google schon die ersten Bilder von Ryan Steele und Matt Doyle. Seines Zeichens Musical-Darsteller unter anderem in meinem aktuellen Lieblingsmusical "The Book of Mormon", der 2011 in "Private Romeo" spielte und sang, in welchem wiederum "Five Dances"-Regisseur Alan Brown Regie führte. Die Community ist ein Dorf. Die beiden lernten sich 2012 kennen und sind seitdem, zumindest wenn man broadway.com Glauben schenken möchte, eins der schönsten und charmantesten Broadway-Paare. Eigentlich ja, wie auch das vorhergehende Beispiel, so ein Paar, das jeder frustrierte Single schon aus Prinzip verachtet, aber zum einen bin ich ja aktuell und nach wie vor nicht frustiert und stolz drauf, und zum anderen: Haben sie Ryan Steele's Lächeln gesehen? Haben sie? Könnte man diesem Lächeln irgendetwas missgönnen? Ich nicht. Das sind einfach diese Menschen, die fröhlich geboren wurden und denen wahrscheinlich noch nie so richtig emotional ans Bein gepisst wurde, die aus tiefstem Herzen lachen können und mit ihren strahlenden Augen jeden Raum erhellen... So etwas kann man einfach nicht böse sein.



 Lange genug hab' ich jetzt aber von den Männern geschwärmt, um auch schnell noch zum Kulturteil zu kommen, denn abgesehen von einer wunderschönen Optik hat der Film auch durch großartige Musik bestochen, die direkt ans Herz ging, hauptsächlich verantwortet durch Scott Matthew. Der mir letztes Jahr zum ersten Mal von jemandem ans Herz gelegt wurde, bei dem ich mich auch mal wieder melden könnte, und der mich im Hintergrund von "Five Dances" und mit dem Enthusiasmus, mit dem er den Film auch beworben hat, nun endgültig überzeugt hat.

Was mich schießlich und endlich zu meinem Ausgehtipp für ganz Spontane führt: Scott Matthew ist heute Abend im Bärenzwinger in Dresden und morgen im UT Connewitz in Leipzig. Und ich habe Nachtdienst und Nachtdienst. Was mich ein bisschen betrübt, aber irgendwie war mir dieses Konzert durch die Lappen gegangen, und nun ist es, wie es ist. Falls mir jemand erzählen möchte, wie's war: Gern :)

Ich glaube, das reicht erstmal an Text. Deswegen schließe ich und verabschiede mich in das, was noch vom Abend übrig ist.

*plöpp*, *kling* & fallalalala- lalalala.