28.05.2015

Balbina denkt nach über das Grübeln.


Irgendwie ende ich hier immer wieder mit traurigen Posts, und dann bin ich traurig, weil ich eigentlich gar nicht traurig sein möchte, aber irgendwie alles darauf hinaus läuft. Da aber Autosuggestion im Therapieansatz immer mehr an Stellenwert gewinnt, um so weniger man sich mit mir zu helfen weiß, trage ich das hier einfach mal mit und teile mit Ihnen das, was ich noch immer habe, und immer haben werde: Gute Musik.

Ich klicke mich ja regelmäßig durch diverse musikalische YouTube-Channels, im Resultat oft ohne neue Erkenntnisse, häufiger auch mit ein paar hübschen Fundstückchen, und selten mal mit dem absoluten Glücksfall, Musik zu entdecken, die mich über den Rest des Jahres begleitet:

Balbina Monika Jagielska wurde 1983 in Warschau geboren, kam 1986 mit ihren Eltern nach Berlin Moabit, zog mit 18 Jahren zu Hause aus und begann dann, Musik zu machen, die laut der auf ihrer offiziellen Homepage veröffentlichten Biographie "Magie zurück in die Realität holt - eine Magie, die man nicht mit dem Smartphone einfangen kann, die man nicht auf Fotos bannen und im Internet verbreiten kann." Ich fände es allerdings sträflich, das nicht wenigstens zu versuchen, und deswegen jetzt ohne weitere Kommentare:



Balbina's aktuelle Clips "Langsam Langsamer", "Goldfisch" und "Kuckuck"...



...die etwas betagteren Clips zu "Nichtstun" und "Seife", das sie gemeinsam mit Maeckes präsentiert, mit dem sie auf ihrem Album "Über das Grübeln" auch das großartige "Tisch" schalmeit - Hörproben für das gesamte Album hält das untere Video bereit...



...und schließlich noch drei Live-Performances: "Wecker" bei den Hamburger Küchensessions, "Seife" bei Inas Nacht und "Goldfisch" in den Filtr Acoustic Sessions - das Video, über das ich sie entdeckt habe.

Und wer sich jetzt noch nicht sicher ist, ob er Balbina gut finden soll, oder doch zu sehr Berlin: Lassen Sie es wirken! Ich dachte am Anfang sowohl bei ihren Texten als auch bei ihren Videos, dass mir das alles viel zu bemüht erscheint, und inzwischen liebe ich beides. Weil man merkt, dass Herz in ihrer Kunst steckt. Weil ihre Texte nicht aufdringlich umständlich sondern einfach klug sind. Und weil die Videos auf den ersten Blick so fürchterlich gewollt aussehen, weil sie und die Menschen, die sie unterstützen (und ihr diese sensationelle plastische Mode schneidern) einfach Ahnung von Ästhetik haben.

Beim Ampya Room Service hat sie "Montag", "Pechsträhne", "Goldfisch", "Blumentopf", "Wecker" und "Langsam Langsamer" auch schonmal live vorgetragen, der Spiegel hat vor 4 Wochen anlässlich ihrer Album-Veröffentlichung einen Beitrag zu ihr gemacht, hier war sie vor einem Jahr schonmal mit Green Friday im Interview und bei Genius.com gibt es die meisten ihrer Texte zum Nachlesen für all jene, die langsam hören.

Live eröffnet sie bis Mitte Juni noch für Herbert Grönemeyer, ihre eigenen Konzerte bekommt Balbina dann im Oktober, und, Achtung, jetzt kommt das, Trommelwirbel... [gedachter Trommelwirbel]: Dresden ist schon dabei! Am 13.10.2015 singt sie in der Scheune, und in der Hoffnung, dass nicht wieder einem Exfreund zwei Stunden vorher einfällt, dass er auch zum Konzert kommt (falls du das liest: das Konzert bekomme ich diesmal, bitte), bin ich am Start und würde mich über jeden freuen, der mir Gesellschaft leisten möchte.

Balbina dachte nach über das Grübeln.
Und so klang das.

*plöpp*

25.05.2015

Hedi Schneider steckt fest.


Hatte ich also gestern ein tolles erstes Date im Waldseilgarten Bühlau, nur um heute früh zu erfahren, dass es kein zweites geben wird. Zu wenige gemeinsame Berührungspunkte. Wobei wir gestern über nichts anderes geredet haben als die ganze Woche schon. Nur dass gestern noch meine Person dazu kam. Ich interpretiere das mal nicht. Sondern löse stattdessen meine Besondere-Zwei-Euro-Münzen-Sammlung auf, um sie in der Schauburg auf den Kopf zu hauen:



"Hedi Schneider steckt fest". Eine erschreckend authentische Studie darüber, was es bedeutet, wenn ein "normaler" Mensch, der ein "normales" Leben führt und stabil in seiner Umwelt steht, plötzlich Psychosen entwickelt, denen er ohne jede Kontrolle zum Opfer fällt und gleichzeitig jeden, der sich in seinem Radius bewegt, unwillentlich mit in den Sog der Verweiflung zieht.



Im Marketing wird der Film als "bemerkenswert leichte Tragikomödie" verkauft. Es soll ja schließlich keine heitere Seele davor zurück schrecken, sich in den Kinosaal zu setzen. Und durchaus ist auch die ein oder andere wirklich lustige Szene im Film verbaut. Es ist ja schließlich auch nicht so, dass wir gar nichts zu lachen hätten. Aber in der Hauptsache war ich erschüttert, wie überzeugend Laura Tonke in ihrer Rolle der Hedi Schneider die depressive Angstpatientin mit markerschütternden Panikattacken dargestellt hat, und wie sensibel der Film auch ihre Umwelt gezeichnet hat. Und jeder, der meint, dass die Situationen im Film überspitzt dargestellt gewesen wären, dem sei aus erster Hand versichert, dass er sich irrt.

Wir liegen wirklich genau so am Boden, wie gelähmt, und sehen innerhalb unserer Scheuklappen nur noch das nahende Ende, oder sehnen es herbei.

Wir schlucken unsere Tabletten wirklich mit Vodka, in der Hoffnung, dass das hilft.

Wir krauchen wirklich im Morgengrauen durch beliebige Einöden, weil wir uns da sicher fühlen und dort in unserer grenzenlosen Hilflosigkeit auf irgendeine Antwort von sonstwoher hoffen.

Wir wünschen uns wirklich, einfach sagen zu können, wir hätten Krebs, um wenigstens einmal ernst genommen zu werden und um eine kleine Ahnung dafür erwecken zu können, wie massiv unser Leben eingeschränkt ist, obwohl "doch alles noch funktioniert".

Wir haben wirklich Bezugspersonen, die sich liebevoll und verständnisvoll aufopfern und ihr eigenes Leben für uns pausieren, nur um schließlich zu erkennen, dass sie der Krankheit genau so machtlos ausgesetzt sind, wie der Mensch, den sie retten wollten. Die im Zweifelsfall von Dritten auch noch die Schuld dafür zugewiesen bekommen, dass sie das Problem nicht schnell genug und zur Zufriedenheit aller Beteiligten lösen konnten. Und die im zweifelshaftesten aller Fälle ihr Glück zu Recht in Armen suchen, die mit sich selbst ein bisschen mehr im Reinen sind, als das zerrissene Elend, dass sie schon lange verloren haben.

Wir haben alle den einen Angehörigen, der uns erklärt, dass er sich früher, wenn es ihm schlecht ging, einfach nur unter die kalte Dusche gestellt hat. Wir haben alle diese Mitmenschen, die besser nie etwas von der Diagnose erfahren hätten, weil sie uns in Folge dessen behandeln wie Porzellan. Wir kennen alle das Alltagstraining. Wir machen alle unsere Achtsamkeitsübungen. Und wahrscheinlich hat auch jeder von uns schon mindestens einmal einen "Neuanfang" inszeniert, in der Hoffnung, das Böse einfach hinter sich lassen zu können.

Aber trotzdem sind wir immernoch die Menschen, die ihr mal kennen und lieben gelernt habt, und wir freuen uns über jeden, der an den guten Tagen Zeit für uns hat, und noch ein bisschen mehr über die drei, die sogar an den schlechten Tagen auf SMS antworten.

Jetzt heul' ich schon wieder.
Dabei wollte ich eigentlich nur erzählen, wie schön der Film das Thema illustriert.
Falls sich jemand für das Thema interessiert.

*plöpp*

18.05.2015

Das singende, klingende Europa lädt zum 60sten.


...und um jetzt auch mal wieder die eigentlich bumsfidele Natur dieses kleinen Schreibheftes zu unterstreichen: Themenwechsel!

Denn wie der ein oder andere vielleicht weiß, steht der 60ste Eurovision Song Contest ins Haus, und was das angeht, entspreche ich ja dem Klischee. Auch wenn in diesem Jahr selbst an diesem freudigen Ereignis unangenehme Assoziationen hängen, aber ich denke, mit gut gekühltem Sekt werde ich die ganz gut überwinden können. Morgen bereits beginnt das heitere Wiener Musizieren mit dem ersten Halbfinale, und damit sie sich nicht die Mühe machen müssen, selbst Favoriten auszumachen, war ich mal so frei, und hab' für uns schonmal festgelegt, wen wir gut finden:

1. Halbfinale, 19.05.2015, 21 Uhr auf Phoenix und EinsFestival, nur zum Lauschen und Mitklatschen, weil lediglich Australien, Frankreich, Österreich und Spanien stimmberechtigt sind:



Daniel Kajmakowski - Autumn Leaves (Mazedonien), Bojana Stamenov - Beauty Never Lies (Serbien), Elhaida Dani - I'm Alive (Albanien), Nina Sublatti - Warrior (Georgien)

Besonders diesem charmanten Video aus Mazedonien würde ich ja noch mehr Aufmerksamkeit gönnen, aber auf das Video kommt es ja leider bei der Live-Performance nicht an. Den sehr vorhersehbaren Beitrag der serbischen Adele dagegen kann ich mir sehr gut live vorstellen. Und die anderen beiden gehen einfach irgendwie ins Ohr.

2. Halbfinale, 21.05.2015, 21 Uhr auf Phoenix und EinsFestival, diesmal auch zum selber anrufen, weil wir diesmal gemeinsam mit Italien, dem Vereinigten Königreich und nochmal Australien stimmberechtigt sind:



Aminata Savadogo - Love Injected (Lettland), Maraaya - Here For You (Slowenien), Marta Jandová und Václav Noid Bárta - Hope Never Dies (Tschechische Republik), Mørland und Debrah Scarlett - A Monster Like Me (Norwegen)

Hier dann meine absolute Favoritin für den Sieg, Aminata Savadogo aus Lettland, bei der ich allerdings fürchte, dass der Song für ESC-Europa (und Australien) schon fast zu progressiv ist und mir deswegen im Nachtdienst die Finger wund hacken werde, damit sie es ins Finale schafft. Marta Jandová ist mehr so aus Sympathie dabei, weil ich ihr "Wie weit" mit Apocalyptica beim Bundesvision Song Contest damals so sehr mochte, beim norwegischen Beitrag gefällt mir vor allem Debrah Scarletts Stimme sehr und das slovenische Mädchen mit den festgewachsenen Kopfhörern animiert mich einfach irgendwie zum Tanzen.



Von den bereits qualifizierten Songs gefällt mir das spanische "Amenecer" von Edurne (oder andersrum?) am besten, weil ich es immer toll finde, wenn in Muttersprache gesungen wird, und weil ich es immer toll finde, wenn jemand "Hiyeahiyeah" singt. Gern hätte ich auch für unsere deutsche Kandidatin geklatscht, aber der Beitrag langweilt mich leider fürchterlich - das einzige was ich im deutschen Vorentscheid mochte, war oben mit eingeklebtes "Wechselt die Beleuchtung" von Laing. Ähnlich verhält es sich mit Guy Sebastian Aus Tralien, dessen "Mama ain't proud" ich wochenlang rauf und runter gehört habe und den ich hier mal mit einer großartigen Acoustic-Version von "Battle Scars" vorstelle, der für den Wettbewerb aber leider nur das fürchterlich öde "Tonight Again" aus der Schatulle geholt hat. Und dann haben wir auch schon wieder alle, die wichtig waren, wichtig sind und wichtig werden. Die Gay Times UK haben zwar auch noch die "Top Ten Hottest Guys of Eurovision 2015" zusammengestellt, aber wirklich schön finde ich die (bis auf den Belgier) alle nicht, und schöne Musik machen die auch alle nicht, deswegen werde ich wohl in diesem tatsächlich ganz objektiv meine Ohren entscheiden lassen.

Wer mir also eine kleine Freude machen möchte, der schickt am Donnerstag mal eine liebe SMS für Lettland, und wer mir eine noch größere Freude machen möchte, der macht am Donnerstag meinen Nachtdienst.
Just kidding.

Hauptsache alle haben Spaß.

*plöpp*

29.04.2015

I am an alien inside a structure.



Oftmals gibt es ja Menschen, die gern nachvollziehen möchten, warum sich ihr trauriger Gegenüber fühlt, wie er sich fühlt. Besonders dann, wenn sie der Meinung sind, dass Ursache und Wirkung in absolut keinem Verhältnis zueinander stehen, und dass der traurige Gegenüber gerade wieder ein unnötiges Drama herauf beschwört, nur um sich selbst noch ein klein wenig mehr in seinem Elend zu suhlen. In solchen Situationen gibt man sich dann jedes Mal auf's neue Mühe, diesen Menschen irgendwie begreifbar und verständlich zu erklären, wie es ist, mit einem minimal ausgeprägten und maximal fragilen Selbstbewusstsein zu leben, das in sich keinerlei Abwehrkräfte trägt und nach jeder Attacke direkt wieder vom Boden zusammengefegt werden kann. Und trotzdem erntet man letztendlich von all jenen, die es nicht aus eigener Erfahrung nachvollziehen können, immer wieder Unverständnis und die gleichen Plattitüden, darf sich anhören, dass Gefühle, die man empfindet, "falsch" sind, dass man sich selbst nur nicht im Griff hat, dass es so viel gibt, wofür es sich lohnt zu leben, und dass ja schließlich die Sonne scheint. Und ärgert sich am Ende noch über den verschwendeten Atem.

Und wenn man dann ab und an doch einmal Zeichen begegnet, dass das Gefühl, ein von seinen Ängsten und Zweifeln übermanntes Nichts zu sein, durchaus auch anderswo bekannt ist, dann fühlt man sich zumindest nicht mehr komplett außen vor.

Of Monsters and Men singen ihnen "I of the Storm", dargeboten wird es von einem Kindheitsfreund der Sängerin Nanna Bryndís Hilmarsdóttir, der inzwischen in Drag macht und für meinen Geschmack ein bisschen zu gewollt lippensynchronisiert, aber gemeinsam mit der Band ein sehr schönes Zeichen sendet.


"If I could face them,
if I could make amends with all my shadows,
I'd bow my head and welcome them.
But I feel it burning
like when the winter wind stops my breathing.
Are you really gonna love me when I'm gone?
I fear you won't,
I fear you don't.

And it echoes when I breathe
until all you see is my ghost,
empty vessel, crooked teeth,
wish you could see.

And they call me under
and I'm shaking like a leaf.
And they call me under
and I wither underneath -
in this storm.

I am a stranger,
I am an alien inside a structure.
Are you really gonna love me when I'm gone?
With all my thoughts
and all my faults?
I feel it biting,
I feel it break my skin, so uninviting.
Are you really gonna need me when I'm gone?
I fear you won't,
I fear you don't.

[...]"

Und jetzt krieg' ich mich mal in den Griff und gehe schauen, ob es sich für die aktuelle Sonderausstellung in der Galerie Neue Meister lohnt, zu leben. Es scheint ja schließlich auch die Sonne.

*plöpp*

26.04.2015

"Ich bin nicht mehr dazu bereit einfach nur da zu sein um da zu sein."


Eigentlich hätte ich meinen Abend heute damit verbringen sollen, meine Tasche zu packen, um morgen in den Urlaub zu fahren mit jemandem, den ich sehr mochte, und der mir auch immer wieder versicherte, dass er mich sehr mag. Stattdessen sucht er seit Ende der Woche an der Singlebörse wieder nach einem neuen Partner und ich sitze nun hier und krakele in meinem Kalender herum, um meine fünf freien Tage möglichst voll zu packen mit Ablenkung und Krach, der die Gedanken übertönt, die ich mit jedem Mal müder werde zu denken.

So oder so ähnlich trug es sich zu:



"For this to never stop is for it to never work. The endless lonely sorrow would be my sanctuary, my church.
For this to never stop is for it to never work. It's not defeat to feel incomplete."


 

"Tell me, tell me - is life just a playground? Think you're the real deal honey and someone'll always look after you.
But wake up baby, you're so totally deluded [...]
You sold me, sold me, sold me down the river now. Hope you're feeling happy now, now you'll always have a sneer in your smile."



 

"Keine verbrauchten Worte mehr am Ufer dessen was wir nicht versteh'n. Und keine Zeit mehr uns Hand in Hand aus dem Weg zu geh'n.
Ich bin nicht mehr dazu bereit nur passiver Baustein zu sein. Ich bin nicht mehr dazu bereit. Ich bin nicht mehr dazu bereit.

Also lass mich los, lass mich los denn seitdem ich dich kenn' hab ich verlernt gern der zu sein, der ich eigentlich bin. Also lass mich los, lass mich bloß in Ruh', denn seitdem ich dein Lächeln zum ersten Mal gesehen hab' gibt es keine and'ren Augen mehr - nur deine. Viel zu sehr."



"This is how it ends. I feel the chemicals burn in my bloodstream."

Ich habe wirklich keine Nerven, tiefer darüber zu reflektieren, finde es aber auch immer wieder gruselig, wie man genau zur richtigen Zeit immer über genau die richtigen Songs stolpert. Die Songs, die mich im E-Fall dann auch davor bewahren, völlig frei zu drehen. Indem ich mitsinge, statt auf meine Einrichtung los zu gehen. Oder mich.

Und dadurch, dass ich mich jetzt nach einer viel zu langen Pause wieder meinem Schreibheft hier zuwende und auch gleich ein paar Goldstücke meiner Musiksammlung in's Gesagte einwebe, kann ich sogar behaupten, dass ich versuche, der Sache nur das Beste abzugewinnen. Weitere Tiraden des Selbstmitleids schenke ich mir an dieser Stelle - sie wissen schon.

On a lighter note, ein Trennungssong, dessen Stimmung ich für mich gerade noch nicht ganz umsetzen kann, aber hoffe, dass dem bald so sein wird:



"Ich denke schon es ist ok wenn wir uns nicht mehr wiederseh'n. Sag' Hinz und Kuntz noch kurz Bescheid. Das mit dem Hund, das tut mir Leid. Dort an der Ampel bitte rechts, und die paar Bücher könn' ruhig weg. Klar, das versteht sich doch von selbst, dass du dein Zeug zurück erhältst.

Mann, ich hab gestern meinen Humor verloren, das war so'n bisschen wie Vietnam.
Ey, keine Ahnung was ich machen soll, wir haben ja schon alles getan."

Gehaben sie sich wohl, und falls einem der oben gepostete Song von Benne gefällt, der wäre am 06. Mai im Jazzclub Tonne, und ich bin auch da.

*plöpp*

09.01.2015

Das kleine Reisetagebuch lebt!

Ich fahre in den Urlaub, und dreimal dürfen sie raten, wohin! Nicht, dass ich es nicht schon oft genug erzählt hätte, aber es gibt ja Leute, die hören nicht zu, und für die ist dieses Spiel gemacht. Haben sie es bereits anhand des Eröffnungsfotos erahnen können, oder darf es noch ein Hinweis sein?

Neben dem dicken Vogel, der heißt, wie eine unrasierte Frucht, kommt unter anderem auch sie hier von wo ich hin fahre:



Und falls sie immernoch nicht drauf kommen, hier der Wink mit dem Zaunspfahl:

http://www.asni.net/images/lotr_map.jpg
Wer's jetzt immernoch nicht begriffen (und gelesen) hat, der verdient es auch nicht, zu wissen, wo ich hin fahre. Wer es erraten hat und darüber hinaus gern unserem Reiseverlauf folgen möchte, der sei über diesen Link (Reiter: Tourenverlauf) herzlich dazu eingeladen, sollte allerdings beachten, dass wir die Reise von hinten nach vorne reisen. Geht also los in Christchurch und endet in Auckland.

Ins Leben gerufen wurde diese Idee von meiner lieben Frau Mutter, die schon immer mal ins Neuseeländische wollte aber nie jemanden hatte, der sich ihr angeschlossen hätte. Also wendete sie sich, wahrscheinlich eher zum Spaß, vertrauensvoll an mich. Hatte aber wahrscheinlich nicht damit gerechnet, dass meine zwischenmenschliche Durststrecke inzwischen schon so an mir gezehrt hatte, dass ich einfach ja sagte und guckte dementsprechend auch ein bisschen überrascht. Und so kam es, dass wir zwei, die sich eigentlich erst wieder so richtig gut verstehen, seit ich zu Hause ausgezogen bin, ab morgen vier Wochen aufeinander hocken werden. In einem Land, das ich eigentlich nie wirklich auf meiner Liste hatte, weil mein ehemaliger Lieblingsmensch und mein ehemaliger Unlieblingsmensch dort einen Teil ihres gemeinsamen Lebens verbrachten und ich es deswegen von der Liste meiner Traumreiseziele gestrichen hatte.

Da ich aber schon so oft im Leben die Erfahrung machen durfte, dass sich die zweite Wahl im Nachhinein als die beste Wahl herausstellt, und mit Situationen, an die ich skeptisch heran gehe, sowieso immer mehr Glück habe als mit jenen, die ich verblendet euphorisch begrüße, bin ich (heimlich) bester Dinge, dass das ein großartiger Urlaub wird. Und nachdem ich heute noch einmal den kompletten Reiseverlauf gelesen habe, bin ich inzwischen sogar schon ein bisschen aufgeregt und auch ein kleines bisschen begeistert von der Idee, die nächsten vier Wochen im Zelt auf meiner Isomatte zu wohnen.

Könnte also alles so schön sein, wären da nicht die unermüdlichen Patrioten, und dank der unglaublichen Tragödie um das Massaker in der Pariser Charlie Hebdo-Redaktion nun auch noch eine Schar von Neunmalklugen, die sich zwar mit den PEGIDA nicht abgeben möchten, dafür aber die Je Suis Charlie-Bewegung gnadenlos missbrauchen, um noch mehr Fremdenfeindlichkeit zu schüren, als es so schon geschieht. Für eine gesunde Gesellschaft, in der die Ideen der Pluralität, der Aufgeschlossenheit, der friedlichen Koexistenz und der Chancengleichheit zwar blühen, in ihrer Blüte aber auch gehegt und gepflegt werden müssen und immer zerbrechlich bleiben, sind solche plump-tumb-plakativen Vorstöße gegen Unbekannt auf Dauer Gift. Und gerade als Dresdner, der der Welt gern zeigen möchte, dass im Tal der Ahnungslosen nicht nur unaufgeklärtes Wutbürgertum lebt und dass die besorgten Vaterlandstouristen hier alles andere als Willkommen sind, verreise ich jetzt nur ungern für so lange Zeit.


Lasst mir meine Stadt nicht im Stich. (Nächste Chance siehe da)

United, we stand.
Divided, we fall.

Und für ein versöhnliches Ende: Kakapo!



*plöpp*

30.12.2014

Tschüssie Zwanzichvierzehn.


Jahresabschlusspost!

Und irgendwie will mir nichts einfallen. Erst recht nicht, wenn ich das letztjährige Resümee lese. Das war ja, ohne mich selbst loben zu wollen, es aber trotzdem tuend, richtig hübsch geschrieben. Und gut strukturiert. Und nett bebildert. Und 2013 war kein tolles Jahr. Aber scheinbar ist genug passiert, dass ich da eine Geschichte draus machen konnte.

Das Jahr 2014 dagegen war ein einziges Schnarchfest. Mit kurzen, schönen Momenten, die möchte ich nicht klein reden (hier, da, dort), aber allein die Zahl meiner Beiträge 2014 (14 Stück, siehe rechte Sidebar) ist bezeichnend dafür, wie egal mir dieses Jahr ist, 2 Tage vor seinem offiziellen Abschluss.

Im September hatte ich ja schonmal mein Problem mit der Dysthymie angedeutet - wenn einfach nichts so richtig scheiße, aber auch nichts so richtig schön ist. Wenn alles nur nett ist, oder nervt, aber auch nichts so fatal ist, dass man wenigstens mal gepflegt zusammenbrechen könnte. Wenn man nichtmal Lust hat, die Jahrestage, die man in den letzten Jahren noch so schrecklich beweint hat, zu beweinen, weil man lieber mit den Schultern zuckt und die nächste Serie in die Playlist wirft. Das ist unglaublich anstrengend. Stillstand ist der Tod. Noch so'n Spruch, den man so lange für eine beliebige Floskel hält, bis man in der Selbsterfahrung feststellt, dass er eine essentielle Wahrheit beschreibt.



Wünsche ich mir also für 2015 mehr Leidenschaft und mehr Bohei, und freue mich in der Zwischenzeit darüber, dass wenigstens Konsequenz und Disziplin 2014 Einzug in mein Leben hielten - 2 Monate ohne Alkohol, 52 Kinofilme in 52 Wochen, 172 Besuche in meinem Fitnessclub, dort 121 Stunden an den Geräten, 77 Stunden bei Kursen, 65 Stunden auf dem Crosstrainer und insgesamt 85 Stunden, um überhaupt erstmal mit dem Fahrrad hin und wieder zurück zu kommen - all das fühlt sich zwar auch nur "nett" an, aber eigentlich weiß ich, dass es mich stolz machen müsste.

Die Zeichen für 2015 stehen derweile nicht schlecht, denn mit unserem vierwöchigen Ausflug ins Neuseeländische gleich zu Beginn des Jahres und meinem Studium, das im März beginnt steht mein Leben für's erste schonmal alles andere als still, und als ob das Jahr 2015 schonmal vorsichtig-neugierig testen möchte, ob ich auch anders kann als gleichgültig, gibt es seit kurzer Zeit sogar einen Jungen, der nett zu mir ist. Aber so Sachen soll man ja nicht beschreien. Euphorie habe ich mir sowieso abgewöhnt, und wenn ich aus meinem Urlaub zurück komme, wohnt er dann wahrscheinlich mit einem schönen Jungen zusammen, der 5 Jahre jünger ist als ich. Kann zumindest nicht schaden, sich darauf einzustellen - meine Skepsis wartet derweile sehnsüchtig auf den Tag, an dem man sie Lügen straft.

Reicht ihnen das als Jahresrückblick?
Wenn nicht, gibt es in der Comment-Box wieder eine chronologische Auflistung meiner kulturellen, cinematographischen und ferngesehenen Erlebnisse in diesem Jahr. Wenn immernoch nicht, verweise ich auch an dieser Stelle nochmal auf die Möglichkeit, meinem Leben bei Facebook zu folgen, wo man definitiv mehr erfährt, als hier. Und falls dann immernoch irgendwer wissensdurstig ist: Suchen sie den Dialog!

Trotz allem, oder grade drum: Guten Rutsch, und ein erfolgreiches Jahr 2015, ausgemalt in euren persönlichen Lieblingsfarben!

*plöpp*

30.11.2014

Sind die Lichter angezündet, oder:
Entschleunigte Adventszeit miteinander!


...und weil ich es im November bisher noch nicht geschafft habe, wenigstens den monatlichen Blogpost zu verfassen, hier noch schnell zum letzten des Monats ein heiteres Hallo!

Es gäbe eigentlich genug zu erzählen, aber im Moment ist meine Zeit tatsächlich so knapp bemessen, dass ich es nicht mal mehr schaffe, meinem Facebook-Newsfeed lückenlos zu folgen. Und das will was heißen. Und weil wir gerade beim Thema sind, verweise ich an dieser Stelle für all jene, die echtes Interesse daran haben, was ich tagein, tagaus erlebe auch gleich mal auf die Möglichkeit, mir bei Facebook zu folgen, so als Person. Da passiert auf jeden Fall mehr, als hier. Da ich aber mein über die Jahre lieb gewonnenes Schreibheft um keinen Preis aufgeben möchte, heute mal in aller Kürze die wichtigsten News im November als Paarreim:

Ab März bin ich wieder Student,
und heute ist erster Advent.



In diesem Sinne, herzlichen Glückwunsch für mich, ein Weihnachtslied für euch und eine fröhliche Adventszeit für uns alle!

*plöpp*

05.10.2014

Eine Runde um den Block - Herbstedition.


Mein Wellensittich hat ja da diese lustige Marotte, regelmäßig von der Stange zu fallen. Vorzugsweise nachts, und am liebsten mit Pauken und Trompeten. Ich weiß nicht, warum er das macht und ich befürchte, dass auch er sich diesbezüglich nicht ganz sicher ist, aber wahrscheinlich will er mich nur ärgern. Was ihm in der Regel auch gelingt.

Heute allerdings, und das wusste er eigentlich auch, hat er mir damit sogar einen großen Gefallen getan. Denn nachdem gestern wieder keiner mit mir tanzen wollte, lag ich nach dem Spätdienst um 11 im Bett und war über meinen Überlegungen, wie ich wenigstens aus dem Sonntag Vormittag noch etwas halbwegs Aufbauendes heraus holen könnte, eingeschlafen. Und dann auch erstmal erschrocken, als es 6:15 wieder schepperte im Vogelhäuschen. Aber nachdem ich mich überzeugt hatte, dass mein gefiedertes Kind auch diesmal selbstständig den Weg aus dem Badehaus zurück auf seine Schlafstange gefunden hatte, war mir nicht mehr danach, nochmal ins Bett zu gehen, so dass ich kurz entschlossen eine Thermoskanne Kaffee und meinen neuen Fotoapparat einpackte, das Fahrrad sattelte und dem Sonnenaufgang entgegen fuhr. Den ich nicht sah, weil ich irgendwie nicht sicher war, wo die Sonne eigentlich aufgeht, und dann völlig verwirrt 7:10 auf den Lingnerterassen stand, wo man die Sonne aber leider erst sieht, wenn sie schon hoch am Himmel steht - Orientierung und geographische Allgemeinbildung zählten noch nie zu meinen Stärken - aber darum ging es auch gar nicht.




Es ging zum einen um meinen kleinen Fahrradausflug und das Erfolgserlebnis, an diesem Wochenende wenigstens ein kurzes, schönes Erlebnis erlebt zu haben und zum anderen habe ich diese Ausfahrt gleich noch mit genutzt, um meine Kurze-Hosen-Saison 2014 zu verabschieden. Wer damit nichts anzufangen weiß: Ich trage sehr gern kurze Hosen, und sobald ich das erste Mal im Jahr kurze Hosen getragen habe trage ich nur noch kurze Hosen, so lange, bis es die Temperaturen nicht mehr hergeben. Dieses Jahr erstreckte sich dieser Zeitraum vom 10. März bis gestern und damit über 209 von 365 Tagen.

War das also schön.
In diesem Sinne: Goldenen Oktober!

*plöpp*

01.09.2014

We're just chasing sparks. We're just chasing those ancient sparks.



Eigentlich nehme ich mir ja nun schon seit vielen Monaten vor, nicht jeden Post mit dem Hinweis darauf zu beginnen, dass ich eigentlich gern öfter posten wöllte. Und eigentlich denke ich auch jedes Mal, wenn ich diesen Satz tippe, dass ich nun, jetzt, ab hier und ab heute endlich wieder anfange, regelmäßiger zu posten. Was wiederum dazu führen könnte, dass oben genannter, unliebsamer Einleitungssatz sowieso hinfällig wäre. Aber dann verstreichen die Tage, werden zu Wochen, Wetter zieht ins Land, Content fliegt vorbei, schaut kurz ins Fenster, fliegt weiter, nichts fühlt sich wirklich an, als würde es genügend Sinn ergeben, um es in die Welt zu tragen und überhaupt machen essen und schlafen so viel mehr Spaß als tippen und einbetten, und bevor man sich's versieht, ist wieder ein Monat verpufft.



Im August lag das aber, so glaube ich, daran, dass der August einfach scheiße war. Ich kann nichtmal konkret sagen, was genau mich gestört hat, aber ohne auf die Tränendrüse drücken zu wollen: Ich hab' ja hier so'ne Dysthymie. Und auf Dauer nervt das. Und der Verlauf findet leider direkt proportional statt - mit zunehmender Dauer nervt das zunehmend. Und während ich mich im Juni und Juli noch ein klein wenig mit meiner Rückkehr ins schwule Kontaktportal ablenken konnte und immer mal wieder gesagt bekam, dass ich hübsch bin, vor allem nackt bei schlechter Beleuchtung, war mir das Anfang August auch wieder zu dumm, und so beendete ich mein kurzes Gastspiel und saß dann da, auf meiner Couch, bei geschlossenen Vorhängen, damit die Sonne nicht all zu sehr blendet. Früher konnten der Sommer und ich mal gut miteinander, aktuell ist' eher schlecht. Und wenn man dann noch ständig irgendwo 'gegen rennt, immer wieder irgendwas umfällt und umtägig Dinge kaputt gehen, die man eigentlich für seine Verbündeten hielt... naja. August eben.



Und so bin ich am heutigen Tag mehr als dankbar dafür, dass ein trüber, wolkenverhangener, herbstlich frischer Tag den schönen Monat September eingeläutet hat und dass meine Kalenderblätter zum Einstieg ins letzte Jahresdrittel ganz auf meiner Seite sind: Nach einem eher aggressiven Rot-Ton für August ist die Hintergrundfarbe des Monats September im immer währenden Schöne-Tage-Kalender grün, mein Maskottchen im Mibo-Kalender ist die lustige, halb genervt-halb verkaterte Eule, und auch die zwei melancholischen Fahrräder im Neustadt-Kalender passen zu der ruhigen, gedämpften und kontrollierten Stimmung, die ich mir im September zu Eigen machen möchte, um den ersten Schritt in einer Richtung zu gehen, in der ich mich eines schönen Tages auch mal wieder sortiert bekomme.

Und höre in der Zwischenzeit Musik, die mich umarmt - an dieser Stelle konkret "Walk" von Kwabs sowie "Sparks", "Unconditional" und "Holding On" von Alex Clare.

*plöpp*