11.07.2014

Et jitt kei wood dat sage künnt wat ich föhl.


War ich also in Köln, letztes Wochenende, und weil es so schön war, wollte ich gern ein paar Bilder hier lassen. Schnappschüsschen bloß, wie immer, aber zur Visualisierung meiner schönen Erinnerungen genügen sie :)


War nämlich der liebe T. aus K. am R. auch in diesem Jahr wieder zu Besuch auf dem Dresdner CSD, diesmal mit großer ColognePride-Delegation, und schwängerte mich in diesem Rahmen mit der Idee, 2014 doch auch mal nach Köln zu kommen, um mir anzuschauen, wie man am Rhein so Pride feiert. Und so suchte ich mir den billigsten Bus und die die billigste Bleibe, die ich finden konnte und Freitag Abend ging es los, über Nacht sowie über Schönefeld, Berlin, Hannover, Dortmund, Essen und Düsseldorf nach Köln, wo ich Samstag 8 Uhr ankam, direkt den Dom besichtigte und bestieg und mich anschließend bis Sonntag Abend dem Kölner CSD aka ColognePride hingab.



Natürlich kann man den Dresdner CSD (normalerweise um die 10 Wagen, 2014: 3 Wagen) nicht mit dem ColognePride (2014: 99 Wagen) vergleichen, und andere CSDs habe ich noch nie besucht, um das Ganze an irgendeinem Maßstab messen zu können, aber ich war begeistert. Von der Herzlichkeit und Aufgeschlossenheit der Menschen, von der Lebensfreude, die in der Luft lag, von der Liebe, die die Organisatoren und Beteiligten in das Gesamtprojekt, zum Beispiel in ihre Mottokampagne, gesteckt haben, von der unglaublichen Dichte überdurchschnittlich schöner Männer (an denen man sich leider nie satt sieht, so sehr man es auch versucht) und letztendlich sogar vom Kölschen Liedgut. Das ja eigentlich eher nicht in das Spektrum musikalischer Genres fällt, die mein Herz zum hüpfen und meine Hüfte zum wackeln bringen, aber als Teil der Lebensfreude und des Regionalstolzes vor Ort reißen sie einfach jeden mit, der sich darauf einlässt. Und so hatte ich, nachdem ich eins der A1-Mottoschilder 5 Stunden lang hinter Wagen 1 her trug, der alle in der Mottokampagne verarbeiteten Songs in regelmäßigen Abständen immer wieder zum Besten gab, sogar einen neuen Lieblings-Ohrwurm:



War das also ein großartiges Wochenende, das weder von äußerst unangenehmen Sitznachbarn und Kleinkindern im Nachtbus noch von zwischenzeitlichen Regengüssen noch von der Tatsache, dass mein zweitliebstes Nationalteam völlig zu Unrecht gegen die Niederlande ausschied, während ich gerade auf der Poptastic tanzte getrübt werden konnte und so denke ich nun darüber nach, in der Saison 2015 zum Pride-Pilger zu werden.


In der Zwischenzeit erfreue ich mich noch ein wenig an meinen Memorabilia (wobei ich noch nicht so richtig weiß, was ich mit der schönen Sigmar Gabriel-Maske anstellen könnte) und wünsche allen Lesern Happy Gay Pride!

*plöpp*

04.07.2014

Die Schauburg seh' ich öfter als meine Großeltern -
Das erste Kinohalbjahr 2014.


War ich also im Kino. 26mal schon dieses Jahr, im Rahmen meines guten Vorsatzes, jede Woche einmal in's Kino zu gehen, den ich bis jetzt auch halten konnte. Und so, wie auch die Sommersonnenwende bereits hinter uns liegt und die Tage wieder kürzer werden, sind auch schon 26 Kalenderwochen ins Land gezogen und mein Kinojahr feiert somit Halbzeit!

Jeden Film einzeln zu besprechen wäre mühsam, zeitaufwendig und es außerdem nicht wert, aber da ich mir vorgenommen habe, mein Schreibheft in den kommenden Wochen mal wieder mit Content vollzupumpen, ohne jeden künstlerischen Anspruch, in der Hoffnung, dass dadurch endlich mal wieder Leben einkehrt hier, habe ich hier mal eine plumpe Auszählung für sie vorbereitet. Alle gesehenen Filme in chronologischer Reihenfolge, und ich habe auch versucht, sie in ein Ranking zu bringen (26/26 ist die beste Platzierung, 1/26 die schlechteste). Man kann zwar viele der Filme gar nicht miteinander vergleichen, aber sie bekommen zumindest eine Idee, welche Filme mir gefallen haben, und welche nicht ;-)

Bitteschön:


#01 Das erstaunliche Leben des Walter Mitty (Rundkino) 18/26

Schöne Geschichte, schöne Landschaften, schöner Ben Stiller.


#02 DieTribute von Panem: Catching Fire (Cinemaxx) 9/26

An sich wieder gut gemacht, und Jennifer Lawrence gibt immer Punkte, aber nach dem Film war ich verwirrt, und das nicht aus den richtigen Gründen.


#03 Das Geheimnis der Bäume (Schauburg) 1/26

Unglaublich fad, und sehr kindgerecht. Hatte ich mir anders vorgestellt. Aber das ökologische Gewissen war auch mal im Kino.


#04 Die Eiskönigin (Kristallpalast) 25/26

Animationsfilme toppt einfach nichts. Und jeder Erwachsene, der sich diese Filme entgehen lässt, weil "das was für Kinder" ist, ist selbst schuld.


#05 The Wolf of Wall Street (Cinemaxx) 4/26

Komisch. Und lang.


#06 Kill Your Darlings (Schauburg) 23/26

Sympathische Darsteller, philosophische Note, und bisher einer der wenigen Filme in diesem Jahr, der in mir den Wunsch geweckt hat, im Nachhinein noch ein bisschen nach den Hintergründen zu googlen.


#07 Dallas Buyers Club (Programmkino Ost) 13/26

Toll gespielt von allen Beteiligten, alle Nominierungen und Auszeichnungen verdient.


#08 American Hustle (Schauburg) 15/26

Schöner Film mit großartiger Jennifer Lawrence und toller Amy Adams, die anderen auch gut, zur Geschichte entwickelt man halt leider keinen persönlichen Bezug. Sonst wär' dieser Film noch weiter oben angekommen.


#09 Philomena (Kino in der Fabrik) 17/26

Dame Judi kann einfach nichts verkehrt machen.


#10 Stromberg (Schauburg) 10/26

Am Anfang Tränen gelacht und gehofft, dass das so bleibt, tat es aber leider nicht. Stromberg-Love trotzdem ungebrochen.


#11 Grand Budapest Hotel (Schauburg) 8/26

Ein Haufen begnadeter Darsteller spielt einen Film ohne Inhalt. Optisch schön, ansonsten so mittel.


#12 Der Hundertjährige der aus dem Fenster stieg und verschwand (Schauburg) 5/26

Miserabel synchronisiert, und an Stelle eines zurechtgemachten, alten Mannes hätte ich mir einen echten alten Mann gewünscht. Ich nehme an, dass das Buch besser ist. Schade, dass ich nicht lese.


#13 Her (Schauburg) 22/26

Joaquin Phoenix, Audio-Scarlett Johansson, das Thema, das Setting, die Musik. Das war schön.


#14 August: Osage County - OmU (Thalia) 20/26

Großartige Darsteller(innen) die beweisen, dass sie ihr Geld wert sind in einer Geschichte, die einen irgendwie mitnimmt.


#15 Snowpiercer (Schauburg) 11/26

Eigentlich ganz schön gemacht, aber im Ranking trotzdem nur ins Mittelfeld gelangt. Keine Ahnung, was da passiert ist. Aber wahrscheinlich hatte ich nach dem Hype im Vorfeld mehr erwartet. Tilda Swinton ganz toll, und der Zug optisch sehr gelungen.


#16 Yves Saint Laurent (Programmkino Ost) 7/26

Ein Film für zwischendurch. Wirkte ein bisschen lieblos und aus dem Material hätte man auf jeden Fall mehr machen können. Aber Pierre Niney gibt sich große Mühe.


#17 Rio 2 (Schauburg) 26/26

Ein Animationsfilm mit Papageien, da ist es eigentlich schon fast egal, was die Papageien machen, ich bin überzeugt. Bester Film des ersten Halbjahres, auch weil ich nur 4 Euro für die Kindervorstellung in der Schauburg bezahlen musste und weil das der einzige Film war, der es geschafft hat, mich zu motivieren, einen Blogpost zu verfassen.


#18 Spuren (Programmkino Ost) 2/26

Vom Thema her toll, in der Umsetzung merkwürdig. Und die Hauptdarstellerin ging irgendwie gar nicht. Vielleicht war das die Rolle, aber wenn ich mit der Protagonistin des Filmes nicht sympathisiere, find' ich auch den Film kacke.


#19 Rosie (Schauburg) 6/26

Das gleiche Problem, wie beim Hundertjährigen, der aus dem Fenster stieg und sich die Hüfte brach: Beschissen synchronisiert. Darunter hat, zumindest für mein Empfinden, die eigentlich schöne Geschichte ziemlich gelitten.


#20 Beziehungsweise New York (Schauburg) 3/26

Ich kann mich nicht an diesen Film erinnern. Ich kann mich nur erinnern, dass ich nach dem Film wieder wusste, warum ich französisches Kino nicht mag. Hab's aber wieder vergessen. Das nächste Mal schreib' ich's mir auf.


#21 The Wind Rises (Hyde Park Picture House, Leeds) 21/26

Studio Ghibli kann eigentlich auch nie etwas verkehrt machen, und auch, wenn "The Wind Rises" im Gegensatz zu den anderen Studio Ghibli-Filmen leider gar keine phantastischen Elemente hatte, war er optisch toll und liebevoll gemacht.


#22 Blended (The Vue, Leeds) 12/26

Seichte Komödie mit Drew Barrymore und Adam Sandler geht auch immer. Müsste eigentlich weiter oben im Ranking sein. Aber ich glaube, im Mittelfeld waren die Filme alle sehr eng beieinander. Nicht gefallen haben mir wirklich nur die letzten 7.


#23 Enemy (Schauburg) 14/26

Intelligent, und Jake Gyllenhaal.


#24 Maleficent (Rundkino) 19/26

Hätte für meinen Geschmack ein bisschen düsterer sein können, gerade mit Angelina Jolie in der Hauptrolle, aber wahrscheinlich sollte es dann doch kindgerechter werden, als ich es erwartet hatte - trotzdem phantasievoll, hübsch anzusehen und mit mehreren schönen Botschaften.


#25 Maman und Ich (Schauburg) 16/26

Ganz toll gemacht von Guillauma Gallienne, und mit dem Hintergrund, dass das seine eigene Geschichte ist, gleich nochmal interessanter. Das Ende hätte ich mir vielleicht anders gewünscht, aber dafür kann er ja nichts.


#26 The Fault in Our Stars - OV (Rundkino) 24/26

Was haben wir geheult. Und das nicht nur wegen der traurigen Geschichte, sondern auch wegen zwei unglaublich authentischen Hauptdarstellern, die Hazel Grace Lancaster und Augustus Summers so glaubwürdig verkörpert haben, dass man hätte glauben können, sie wären dem Buch direkt entstiegen. Nicht, dass ich es gelesen hätte. Aber ich nehme es an. Ich möchte jetzt auch einen Augustus Summers. Nur ohne... naja. Sehen sie selbst.

Das war's! Zweites Halbjahr kann losgehen.
Wenn sie eine Meinung haben, teilen sie sie gern, oder behalten sie sie für sich. Jeder wie er's mag. Ich fahr jetzt nach Köln.

*plöpp*

20.06.2014

Und am Ende des Regenbogens ein Topf voller CO2-Ersparnis.


Liebe Alle!

Es hinkt schon wieder mit dem Schreiben meines kleinen Schreibheftes hier, aber ich möchte auch niemanden mit immer neuen Versprechungen langweilen, mich zu bessern, deswegen komme ich einfach direkt auf den Punkt:

Stadtradeln is'! In Dresden ab morgen! Und ich hab'n Team!

"2014 findet zum siebten Mal die Kampagne Stadtradeln des Klima-Bündnis statt, das größte Netzwerk von Städten, Gemeinden und Landkreise zum Schutz des Weltklimas mit rund 1.700 Mitgliedern in 24 Ländern Europas. KommunalpolitikerInnen und BürgerInnen radeln vom 1. Mai bis 30. September drei Wochen am Stück um die Wette und sammeln Radkilometer für den Klimaschutz sowie für eine vermehrte Radverkehrsförderung ihrer Heimatkommune.
Gesucht werden Deutschlands fahrradaktivstes Kommunalparlament und Kommunen sowie die fleißigsten Teams und RadlerInnen in den Kommunen selbst."

Weitere Hintergründe kann man sich unter anderem in den Bereichen "Hintergründe" und "Darum geht es" durchlesen, Infos zur Teilnahme und Spielregeln sind ebenfalls übersichtlich auf der Homepage erläutert und wem die gute Sache und ein wieder ein bisschen beruhigteres, ökologisches Gewissen als Belohnung nicht reichen, der kann sich hier auch durchlesen, was es noch so zu gewinnen gibt. Außerdem habe ich mir von meinen Radverkehrsfreunden bei der Stadt erklären lassen, dass es beim Stadtradeln auch jedes Jahr aufs Neue darum geht, die Dresden-Leipzig-Battle zu entscheiden, wer also auf Lokalderbies steht..

In Dresden findet die Aktion vom 21.06. bis 11.07. statt und das Ganze funktioniert ganz einfach, indem man sich kostenlos registriert, sich dabei einem Team anschließt und dann seine erradelten Kilometer im relevanten Zeitraum in den Radelkalender einträgt. Wer nicht weiß, wie viele Kilometer er von A nach B radelt, kann sich das auch direkt von Naviki ausrechnen lassen, und das ganze basiert auf Vertrauen, man kann also auch rückwirkend seine Kilometer eintragen, und auch wenn man erst später einsteigt, kann man noch nachträglich eintragen, wie viele Kilometer man ab dem 21.06. geradelt ist. Sollten sie diesen Post also erst Anfang Juli lesen - scheuen sie sich nicht ;-)

Und nun das eigentliche Anliegen: Ich nehme dieses Jahr zum ersten Mal am Stadtradeln teil, und habe kein Team in der Liste gefunden, dem ich mich unbedingt hätte anschließen wollen. Die Arbeitsstelle meiner Mutter hat zwar ein Team, und Die Grünen haben ein Team, und wer sich gar keinem Team anschließen möchte, für den gibt es auch noch das "offene Team", aber ich wollte gern für irgendetwas Radeln, das meine Überzeugungen repräsentiert, ohne dabei für eine Partei zu radeln, und so habe ich kurzerhand mangels einer pfiffigeren Idee für einen Namen die "Rainbow Racers" gegründet. Unser Statement:

"Gemeinsam möchten wir unsere Teilnahme am Stadtradeln mit einem Zeichen für gesellschaftliche Vielfalt, persönliche Individualität und gegenseitige Wertschätzung verbinden - für eine harmonische Welt, mit vielen Radwegen :-)"

Wer also Lust hat, sich anzuschließen, sollte sich herzlich eingeladen fühlen, dies zu tun. Dabei ist es wie gesagt egal, wann man sich anmeldet, da man auch nachträglich seine Kilometer eintragen kann, und selbst wenn man in einer anderen Stadt, in einem anderen Land oder gar auf einem anderen Kontinent radelt: Völlig egal, so lange man vom 21.06. bis 11.07. für die Rainbow Racers radelt ;-)

Habt ihr das also auch mal gehört - ich würde mich freuen, den ein oder anderen in unserer illustren Zweiradrunde begrüßen zu dürfen.

*plöpp*

12.05.2014

I am what I am. And what I am needs no excuses.


Da gewinnt eine bärtige Travestie-Künstlerin den Eurovision Song Contest mit wirklich respektablem Abstand und dem viertbesten Ergebnis der Eurovision-Geschichte, Menschen, von denen mir nichtmal mehr bewusst war, dass sie bei Facebook registriert sind, posten auf einmal Würste und Regenbogeneuropa klatscht kurz in die Hände, doch kaum wird der Jubel zu laut, wachen sie auf und kommen aus ihren Löchern gekrochen: Die Nörgler. Die Stinkstiefel. Die Muffelköpfe. Die davon zehren, ihren Mitmenschen die Welt zu erklären, und zwar möglichst in einer Farbpalette, die das Aufkeimen jeglichen Optimismus' im Keim erstickt. Denn wo wären wir denn, wenn wir so etwas wie Hoffnung zuließen? Am Ende der Vernunft. Mindestens. Vielleicht klingt das ein bisschen frustriert, und keinesfalls möchte ich damit alle, die im Rahmen der aktuellen Euphorie auch erwähnen, dass der Kampf für Toleranz und Vielfalt weder erst gestern begonnen noch gestern endlich geendet hat, über einen Kamm scheren, aber dieses schlecht gelaunte Volk der pathologischen Pessimisten erregt schon länger mein Gemüt. Und die Charakterisierung unterstreicht meinen Punkt: Kann man sich denn nicht einfach mal freuen? Nur mal kurz? Der vom Moment gegebenen Euphorie die Chance geben, Menschen zu beflügeln? Und bereits beflügelte Menschen ein bisschen fliegen lassen, statt sie direkt vom Himmel zu schießen?

Wer nicht weiß, worum es geht, dem kann ich es wahrscheinlich auch nicht schlüssig erklären, aber ich versuch's trotzdem: Die Travestie-Künstlerin Conchita Wurst, verkörpert von Tom Neuwirth, hat gestern Abend den 59. Eurovision Song Contest für Österreich gewonnen. Womit sie ein Zeichen für Toleranz, Vielfalt und Individualität gesetzt und vielen Menschen, die ihren Heimatländern und der Europäischen Union bezülich dieser Aspekte skeptisch gegenüber stehen Hoffnung verliehen hat, dass alles vielleicht doch nicht ganz so schlimm im Argen liegt, und dass wenigstens Kultureuropa in allen Ebenen mehrheitlich gewillt ist, zu leben und leben zu lassen ohne zu diskriminieren. So zumindest sehen es die Optimisten. Deren Optimismus zum Teil leider auch in unreflektierte Hysterie übergeht, die dann zu Aussagen wie "Gestern ist so viel passiert, wie in den letzten 20 Jahren nicht." (Zitat im Facebook aufgegriffen) verleitet. Was widerum die Kritiker auf den Plan ruft, die durchaus auch mit Recht darauf hinweisen, dass der jahrzehntelange Kampf von Vorreitern und Wegbereitern wesentlich mehr Anerkennung verdient, als der Auftritt von Frau Wurst und dass allein der Sieg einer Drag Queen bei einer Veranstaltung, deren Anhängerschaft sich zu großen Teilen aus LGBT und deren Sympathisanten bildet, noch lange keinen Meilenstein im Kampf um die Rechte der Community bedeutet.



Aus all diesen Argumenten, die in diversen Feuilletons unterschiedlich gewichtet präsentiert werden, kann man sich nun seine eigene Meinung individuell zusammen basteln, aber ich persönlich möchte gern euphorisch bleiben. Denn damit diskreditiere ich keinesfalls die Leistung all jener, die schon gekämpft haben, als Conchita noch Thomas hieß und sich selbst gesucht hat, und ich bilde mir auch nicht ein, dass ein ESC-Sieg die aktuelle Europapolitik in ihren Grundfesten erschüttern wird. Aber ich würdige den Mut, den Conchita Wurst und ihre Begleiter bewiesen haben, als sie sich bewusst dafür entschieden haben, den von vornherein zu erwartenden Shitstorm auszuhalten, um den Ruf nach einem Recht auf ein individuelles Lebenskonzept ganz nach persönlicher Fasson in ein sehr öffentliches Forum zu tragen und damit einen Beitrag dazu zu leisten, dass dieses Anliegen die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient. Und ich denke nicht, dass es der guten Sachen zuträglich ist, immer alles klein zu reden und tot zu quatschen, nur damit wir bloß niemals in die Verlegenheit kommen, uns aus unserer angestammten Position der unterdrückten und aufgebrachten Minderheit hinaus begeben zu müssen.

Die Musik sollte man, erschlagen von der politischen Dimension, natürlich auch nicht vergessen, und selbst da lässt sich noch ein weiteres Argument für Conchita Wurst anbringen. Singen kann sie nämlich. Und neben vielen Ausführungen, die ganz und gar ausgeblendet haben, dass diese Veranstaltung eine musikalische Komponente hatte, stand unter anderem auch die These im Raum, dass viele Zuschauer des ESC mit ihrem Anruf für Österreich gar kein Zeichen setzen wollten, sondern dass sie den Song einfach mochten. Und wenn diese Menschen für "Rise Like A Phoenix" angerufen haben und dabei überhaupt nichts darauf gegeben haben, dass er von einer Frau mit Bart gesungen wurde, dann ist das doch ein um so schöneres Signal.



Meine persönlichen Top 5 waren András Kállay-Saunders (Ungarn), Sanna Nielsen (Schweden), Conchita Wurst (Österreich), Elaiza (Deutschland) und Carl Espen (Norwegen), Kommentare zu Conchita Wursts Sieg haben neben vielen anderen Autoren Mithu Sanyal für den WDR und Kopfkompass für den Freitag verfasst, alle Statistiken und die Punktetafel finden sich im Wikipedia-Artikel zum ESC 2014, die Unterschiede, die zum Teil zwischen Jury-Voting und Zuschauer-Voting klaffen, können sie unter anderem hier nachlesen und das Voting der deutschen Zuschauer und der einzelnen, deutschen Juroren im Detail gibt es hier.

Und ich glaube, das reicht dann auch.
Gute Nacht, buntes Europa.

*plöpp*

27.04.2014

"Furioses Federgefuchtel."


Und es geht weiter.

Es ist eine Berg- und Talfahrt mit meinem kleinen Schreibheft hier. Wobei der letzte Gipfel auch schon ein ganzes Stück zurück liegt. Und in Zeiten, in denen der Austausch im World Wide Web zum allergrößten Teil über Twitter, Facebook, Instagram und Tumblr stattfindet, sollte man meinen, dass so etwas wie ein "Blog" seine Schuldigkeit eh getan hat. Erst recht wenn ich mir ansehe, was echte, ambitionierte Blogger tagein, tagaus in ihre Blogs zimmern. Poesie, Philosophie, Phantasie, tagelang ausgeklügelt, in allen Ebenen durchdacht. Aber jedes Mal, wenn ich dann denke, dass es eigentlich an der Zeit wäre, das Ding hier zu Grabe zu tragen, widerstrebt dieser Idee eine tief empfunde Verbundenheit zu diesem überholten Relikt aus vergangenen Tagen, und ich krieg's einfach nicht über's Herz.

So dass ich hiermit meine zunächst durch einen kaputten Rechner bedingte und anschließend aufgrund mangelnder Motivation fortgesetzte Blog-Pause für beendet erkläre indem ich verkünde: Ich war im Kino! Und das nicht nur einmal, sondern siebzehn mal. Weil ich mir für das Jahr 2014 wieder den guten Vorsatz genommen habe, einmal pro Woche ins Kino zu gehen. Was ich 2012 auch schon einmal probiert hatte, doch dann kam die Fußball-EM, und auf einmal war keine Zeit mehr für Kino. Doch auch, wenn jetzt die Fußball-WM schon wieder vor der Tür steht, bin ich guter Dinge, dass ich den Vorsatz in diesem Jahr einhalten kann. Aktuell schreiben wir Kalenderwoche 17, und Film 17 war wieder einer der Schöneren:

Rio 2 - Dschungelfieber



Wo wir Hobby-Cineasten ja eigentlich nichts von beliebigen Fortsetzungen halten, so lange sie nicht die Geschichte eines Universums erzählen. Aber die Wendung "Never change a winning team" hat schon ihre Berechtigung. Und wenn das Team aus lauter Vögeln besteht, ist André dankbar für jede Fortsetzung, die es in die Kinos schafft.


[Janelle Monáe - What Is Love - Rio 2 Opening Scene]

Und so habe ich es auch heute wieder nicht bereut, 14 Uhr der einzige Erwachsene im Kinosaal gewesen zu sein, der kein Alibi-Kind dabei hatte. Denn so generell verstehe ich immernoch nicht, warum Menschen 16+ sich dermaßen zieren, Trick- und Animationsfilme anzuschauen. Wie viel Liebe, wie viel Phantasie, wie viel schöne Musik und wie viel Arbeit in diesen Filmen steckt, davon kann manch Blockbuster für Große nur träumen. Und letztlich ist es wie in jedem anderen Genre auch eine Frage des Wollens. Denn wer will, der kann sich sogar aus einem Haufen sprechender, exotischer Vögel einen aussuchen, mit dem er sich persönlich identifizieren kann. 5 von 5 Ara-Gürteltaschen.


[Barbatuques - Beautiful Creatures, im Portugiesischen Original Você Chegou]

Will ich also gar keine Filmkritik daraus machen, denn in so etwas habe ich keinerlei Expertise, sondern möchte es als Repräsentant von Otto Normalverbraucher und Susi Sorglos einfach wieder bei meiner wärmsten Empfehlung belassen, sich häufiger Trick- und Animationsfilme anzusehen - Herz und Gemüt werden es ihnen danken.



Ich hatte überlegt, auch noch die anderen 16 Filme aufzulisten, just because, aber irgendwie macht das an dieser Stelle nicht all zu viel Sinn, weswegen ich mir da noch eine geeignete Präsentationsform ausdenken muss. Oder Ende des Jahres eine Liste von 52 Filmen aushänge. Je nachdem, wohin der Schreibfluss mich trägt.


Fröhlichen Tag der Freiheit, Südafrika!

*plöpp*

04.03.2014

Der Wintersport und Ich - ein Wiedersehen.



Ich hatte Winterurlaub! Und ich möchte bitte nicht erörtern, welcher Umfang einen "echten Winterurlaub" ausmacht. Denn während versierte Wintersportler ein verlängertes Wochenende in Zinnwald wahrscheinlich nur müde belächeln können, war es für mich eine kleine Zeitreise in eine Welt, die ich nur noch von ganz früher kannte - als Zeugnisse dieser verschneiten Vergangenheit hier dreimal ich. 1997 mit der Omi irgendwo im deutschen Nirgendwo, 1999 mit dem Vati im Isergebirge und 2001 mit der Tante im Winterurlaub am Achensee -  der letzte Urlaub, in dem ich auf Skiern stand. Allein meine Hose zeigt deutlich, wie lange das her ist. Entsprechend skeptisch war ich, als auf Arbeit die Frage im Raum stand, wer Lust auf einen kurzen Skiurlaub hat. Aber wenn ich schonmal die Gelegenheit bekomme, in fröhlicher Gesellschaft zu verreisen, riskiere ich gern Leben und Bewegungsapparat, also doch nur ganz kurz gezögert und schließlich "hier" geschrien.

Am Telefon meinte mein Vati noch "Du? Ins Erzgebirge? Zum Skifahren? Jetzt? Aber gut, Zinnwald ist immer für die ein oder andere Wetterkapriole gut. Und Skifahren verlernt man nicht." Und Recht sollte er behalten. Der Sonnabend begann in Dresden so:


...und als wir Zinnwald mittags erreichten, sah es dann so aus:



Aber aktiv und vital, wie wir Krankenschwestern schon von Natur aus nunmal sind, ließen wir uns nicht lumpen und wanderten tapfer durch raureife Wäldchen und dichten Nebel, um unsere ersten, sportlichen Erfolge anschließend gebührend zu begießen.


Am Sonntag ging es voller Elan auf die Holzhauer Piste, wo wir die dicken Wolken fort lächelten und zwei Stunden das Beste aus den übersichtlichen Schneeverhältnissen machten. Den Glühwein gab es stilecht zu erlesener Après-Ski-Musik, abends erkundeten wir den Saunabereich und das Schwimmbad des Lugsteinhofs, und den Abschluss des Tages bildete der Wiener Tatort (in der Wiederholung).


Und am Montag leisteten wir uns noch eine 12er-Karte in Altenberg, speisten noch einmal in authentisch-ahoamscher Atmosphäre und dann ging es auch schon wieder heim.

Übersichtlich, möchte man meinen, aber wie sagt meine Oma immer? "Muss es unbedingt [jedes Reiseziel, das man nicht mit dem Bus erreicht] sein? Im Erzgebirge is' auch schön." - und auch, wenn ich diese Überzeugung nur sehr bedingt teile, in Bezug auf dieses konkrete Wochenende hatte sie recht. Denn zum wiederholten Mal bestätigte sich, dass weder Entfernung, noch Kosten, noch Dauer noch Programm fröhliche Gesellschaft aufwiegen können.

Und auf den Skiern umgefallen bin ich auch nur einmal. Nach 13 Jahren ein guter Schnitt, wie ich finde. Möchte jetzt wieder öfter Skifahrn.

*plöpp*