04.12.2008

Probezeitaufwühlung.


Zu Beginn einer Ausbildung befindet man sich ja in einer Probezeit. Und zu einer Probezeit gehört ein Probezeitgespräch. Heute gehabt. Alles schön, alles gut, nur positive Rückmeldungen, dass sie die Probezeit nicht schaffen würden war ja eh sehr unwahrscheinlich, la la la, bringt mir aber alles nix wenn die Klassenleiterin auf ihrem Zettel am Rande notiert hat "Klassenclown . . . ?"

Die arme Frau hat keine Ahnung, wie weh sie mir damit tut. Nichtmal ich hatte eine Ahnung, wie weh man mir damit tut. Aber ich war Klassenclown. Am Anfang noch gewollt, aber man ist so schnell in dieser Rolle, man hat gar keine Zeit, darüber nachzudenken, ob das gut ist oder nicht. Man ist es dann einfach. Für alle und für jeden. Vom lustigen Typen zur Witzfigur, die keiner mehr ernst nimmt, ist es nur noch ein kleiner Schritt. Und ein unvermeidlicher dazu. Und irgendwann findet man sich dann wieder auf einer Party, auf der alles über einen lacht, obwohl man einfach nur einmal ernst genommen werden möchte. Heulend und allein auf einer Couch in einer Wohnung, die man drei Tage lang geputzt hat, damit sich die Partymeute wohl fühlt, und die Partymeute fragt sich: "Warum heult die Witzfigur?", denn die Partymeute würde niemals auf die Idee kommen, dass die Persönlichkeit der Witzfigur über blöde Scherze und lustige Gesichter hinaus geht. Und dieses Szenario entwickle ich nicht in meinem Kopf. Das sind Erfahrungswerte.

Das Licht am Ende des Tunnels: die Klassenleitung empfindet mich zur Zeit auch noch als "Ruhepol". Ruhepol mit klassenclownigen Tendenzen. Und klingt Ruhepol nicht viel edler als Depp vom Dienst?

Vielleicht sollte ich in der Schule öfter weinen. Bevor ich wieder anfange zu heulen, wenn es gerade so gar nicht passt.

"Somewhere somewhen somehow something went terribly wrong.... And now I'm stuck."

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Wenn ich dir einen Tipp geben darf; gib nicht zuviel auf die Einschätzung anderer Leute über dich. Ich bezweifle ganz ernsthaft, dass sie soviel Bedeutung in dieses Wort gelegt hat, wie du jetzt hinein interpretierst. Das dich das dennoch so sehr trifft, deutet vielmehr darauf hin, dass du ihre Einschätzung teilst.

Du solltest das Ganze einfach positiv sehen. Nach ihrer Ansicht kannst du beides sein. Du musst dich nur entscheiden...

Ulrike hat gesagt…

es gibt weitaus schlimmere einschätzungen. lass den kopf nicht hängen! schliesslich wissen die meisten doch, dass du kein clown, sondern ein sehr nachdenklicher, kluger kerl bist! so!!

spontiv hat gesagt…

Sorry, so einfach ist das auch wieder nicht. Wenn erstmal so ne Anmerkung wie "Klassenclown" in der Personalakte drinnen ist, hat der Gute seinen Ruf weg. Und zwar fortfolgend...

Jeder mit dem er es während seiner Ausbildung dann später zu tun hat, wird sich an dem Klassenclown hochziehen. Und wenn es nur in Gedanken ist. Kenne ich aus eigener Erfahrung, als Klassenclown und als Ausbilder.